10.07.2011
Innsbruck

Schwazer tafelten mit Otto im Fuggerkeller

Von M. Witting und P. Hörhager

Innsbruck, Pöcking – Mit einem Requiem in der St.-Pius-Kirche gingen gestern die Trauerfeierlichkeiten für Otto Habsburg weiter. Der Sarg mit dem ältesten Sohn des letzten Kaisers wurde unterdessen nach München gebracht, wo morgen in der Theatinerkirche das nächste Requiem folgt. Im Stift Stams gibt es heute­ ebenfalls ein Requiem, an dem neben der Tiroler Politspitze auch Karl Habsburg teilnehmen wird.

Tiroler Abordnungen, speziell der Schützen, begleiten die Trauerfeiern auch in den nächsten Tagen. Zudem werden Bürgermeister jener Gemeinden, in denen Habsburg Ehrenbürger war, nach Mariazell kommen, wo Habsburg mit seiner 2010 verstorbenen Frau Regina ab Dienstag aufgebahrt wird.

Sein erster offizieller­ Besuch in unserem Bundes­land führte Otto­ Habsburg einst nach Osttirol. Den ersten Auftritt in Nordtirol hatte der Kaiser­sohn im Dezember 1967 in Schwaz. „Wegen der politischen Querelen um die Einreiseerlaubnis für die Habsburger waren die offiziellen Stellen gerade­zu ängstlich bemüht, den Auftritt Ottos als Privatbesuch abzutun“, erinnert­ sich Sepp Wörndle. Der Schwazer, der bis zu seiner Pensionierung Marktamtsleiter­ in Mayr­hofen­ war, nahm 1964 mit Freunden an einem Empfang im Habsburger-Domizil in Pöcking teil. Wörndle: „Damals fragte ich den Gastgeber, ob er nach Aufhebung des Einreiseverbotes in Schwaz ein Referat halten würde.“­

Als zwei Jahre später das Einreiseverbot fiel, wurde Sepp Wörndle aktiv: „Ich bekam mehrere böse Anrufe und noch einen Tag vor dem Besuch riet mir ein Politiker, die Veranstaltung abzublasen. Der Vortrag durfte nicht öffentlich angekündigt werden, die Zuhörer wurden schriftlich eingeladen.“

190 Personen drängten­ sich dann am 20. Dezember 1967 im Marien­saal des Schwazer Franziskaner­klosters, um den mit dem Zug angereisten Otto Habsburg zu sehen und zu hören. Einquartiert war der honorige Gast im „Fuggerkeller“. Dort tafelte er im Hinterzimmer mit einer kleinen Runde, der neben Sepp Wörndle die damaligen Abgeordneten Rudolf Schwaiger und Hans Breitenberger sowie Hausherr Toni Hochschwarzer und der Künstler Fred Hochschwarzer angehörten. Außerdem besuchte Otto­ Habsburg die betagte Sr. Salesia im Schwazer Kloster­ der Tertiarschwestern. „Ich darf doch nicht vor dem Kaiser sitzen“, soll die an den Rollstuhl gefesselte Nonne­ damals gesagt haben.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 10.07.2011
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