16.09.2011, 13:46  Aktualisiert: 25.09.2011, 01:01 
Forschung

Der kranke Mann und das Eis

Vor 5300 Jahren starb ein bestimmter Mann in Tirol. Im Eis des Gletschers wurde nicht nur sein Körper erhalten, sondern auch die Krankheiten, die er in sich trug.
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Jahrtausendfund – Das Jubiläum und die Entdeckung

Sonntag: Am Tag vor dem großen Jubiläum gibt es auf Schloss Juval von Extrembergsteiger Reinhold Messner ein Expertengespräch. Um 18 Uhr beginnt die Diskussion mit dem Thema „Wie hat Ötzi unsere Sicht auf den alpinen Raum und den Tourismus verändert?“.

Montag: Der Ötzi-Jubiläumsgipfel, den das Schnalstal und das Ötztal gemeinsam feiern, findet wetterbedingt im Tal im ArcheoParc Schnals und doch nicht an der Fundstelle statt. Dabei werden unter anderem Schmackhaftes und Wärmendes aus Ötzis Lebensraum präsentiert.

Museum: Im Archäologiemuseum in Bozen, in dem Ötzi ausgestellt ist, lädt morgen Montag ein Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt ein. Dabei kann von allen Interessierten die Sonderausstellung Ötzi besucht werden.

Innsbruck, Bozen – Er hat gekämpft gegen andere Menschen, aber auch gegen die Natur. Der alte Mann und das Eis. Im Schnee ging er jagen, um sein Dorf zu ernähern und dann wurde er am Hauslabjoch auf 3300 Metern wahrscheinlich selbst zum Gejagten. Doch gestorben wäre er auch ohne diesen Pfeilschuss in seinen Rücken, denn er war alt – und er war krank. Das Eis hat auch die Krankheiten in seinem Körper konserviert.

Zum 20. Jahrestag des Ötzi-Fundes ist unter vielen Forschern ein Wettrennen um die nächste Sensation entbrannt. Denn besonders um dieses Datum erregen neue Erkenntnisse die Aufmerksamkeit. Deshalb haben verschiedene Forschergruppen angekündigt, das nächste Geheimnis entschlüsselt zu haben. Der Humangenetiker Carsten Pusch konnte mit anderen Wissenschaftern zusammen bereits 95 Prozent der DNA von Ötzi entschlüsseln.

Morgen Montag, genau am Jahrestag, will sein Team die gewonnenen Erkenntnisse veröffentlichen. „Nur so viel“, verrät Pusch: „Wir waren doch sehr überrascht über seinen Gesundheitszustand.“ Krebs, Alzheimer oder Diabetes? Sein Erbgut, das 5300 Jahre im Eis überlebt hat, sollte zumindest Aufschlüsse über genetische Ursprünge von heute häufigen Krankheiten liefern.

Beim zweiten Bozner Mumienkongress im Oktober erwarten sich einige noch mehr Einblicke, noch weitere Krankheiten. Ötzi soll ein erkranktes Organ gehabt haben.

Andere Ergebnisse verschiedenster Studien rund um den Eismann, sein Leben sowie seine Todesumstände erwartete sich Albert Zink von dem Kongress. Er ist der Leiter des EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman in Bozen. „Unter anderem werden die ersten Befunde zu den Analysen des Mageninhalts vorgestellt“, sagt Zink. Der Innsbrucker Botaniker Klaus Oeggl hat etwa die letzten Mahlzeiten von Ötzi unter die Lupe genommen.

In seinem Darm sind früher schon Parasiten festgestellt worden. Der Mann aus dem Eis war mit Peitschenwürmern infiziert – wie heute 750 Millionen Menschen weltweit. (chris, APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 16.09.2011  13:46
aktualisiert: So, 25.09.2011  01:01
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