12.03.2012, 15:16  Aktualisiert: 12.03.2012, 16:21 
International

Block 2 des französischen AKW Cattenom wieder am Netz

Nach einer Panne am Samstag läuft das Atomkraftwerk nahe der deutschen Grenze wieder. Der Vorfall hat sich im nicht-nuklearen Bereich ereignet.
Die Panne im AKW Cattenom war bereits die dritte innerhalb weniger Wochen.
Foto: EPA

Cattenom – Zwei Tage nach einer neuen Panne ist Block 2 des französischen Atomkraftwerks Cattenom nahe der deutschen Grenze am Montag wieder ans Netz gegangen. Wie die Leitung des AKW mitteilte, war der Reaktor am Samstag automatisch gestoppt worden, nachdem sich ein Ventil für die Kühlwasser-Versorgung geschlossen hatte. Frankreichs Sozialisten dämpften unterdessen Hoffnungen auf ein rasches Stilllegen des AKW Fessenheim am Rhein.

Der Vorfall in Cattenom war den Angaben zufolge auf Arbeiten an einem Druckluftbehälter im derzeit stillliegenden Block 1 zurückzuführen. Der Zwischenfall habe sich im nicht-nuklearen Bereich ereignet und keine Auswirkungen auf Sicherheit und Umwelt gehabt, hieß es in einer Mitteilung.

Die Panne war bereits die dritte innerhalb weniger Wochen. Bereits am 10. und 21. Februar hatte sich der gleiche Block nach technischen Problemen automatisch abgeschaltet. Anfang Februar stufte die französische Behörde für Atomaufsicht (ASN) zudem einen Defekt am Rohrsystem der Abklingbecken in den Reaktoren 2 und 3 von Cattenom auf der acht Stufen zählenden internationalen Störfallskala INES mit Stufe zwei ein. Dieser Störfall wurde bei den von der EU für alle Atomreaktoren angeordneten Stresstests entdeckt.

Der im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzgebiet an der Mosel gelegene Meiler besteht aus vier Blöcken mit einer Kapazität von jeweils 1.300 Megawatt. Cattenom ist damit eine der größten Atomanlagen in Frankreich. Derzeit sind drei der Blöcke in Betrieb. Block 1 wurde am 18. Februar für Wartungsarbeiten und den Austausch von Brennelementen abgeschaltet. Er soll frühestens Mitte April wieder hochgefahren werden.

Die französischen Sozialisten stellten unterdessen klar, im Falle eines Siegs ihres Präsidentschaftskandidaten Francois Hollande werde das umstrittene AKW Fessenheim nahe der deutschen Grenze nicht sofort stilllegen. Die Abschaltung werde „ein bisschen Zeit“ brauchen, sagte der Energieberater im Hollande-Team, Francois Brottes, der Wirtschaftszeitung „Les Echos“. Er verwies auf die Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Stromproduktion. Fessenheim ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs und gilt als besonders störanfällig.

Hollande hatte angekündigt, er werde Fessenheim im Falle seiner Wahl im Mai stilllegen. Atomkraftgegner in Deutschland und Frankreich fordern seit Jahren die Stilllegung des AKW. Sie verweisen vor allem auf das Erdbebenrisiko im Rheingraben und die Gefahr einer Überschwemmung bei einem Bruch des Deichs, der das AKW vom Rheinkanal trennt. Für ein Abschalten von Cattenom wiederum hatten sich kürzlich in Deutschland die Landesregierung von Rheinland-Pfalz und der saarländische Landtag ausgesprochen.

Der konservative Präsident Nicolas Sarkozy will im Falle eines Wahlsiegs am bisherigen Atomkurs der Pariser Regierung festhalten. Frankreich ist der größte Atomstromproduzent Europas, drei Viertel des Stroms kommen aus den 58 Atomreaktoren. (AFP)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 12.03.2012  15:16
aktualisiert: Mo, 12.03.2012  16:21
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