29.03.2012
International

„Wo die Bayern Urlaub machen, da arbeiten wir“

Borussia Dortmund schlägt Anfang Juli erstmals in den Kitzbüheler Alpen sein Trainingsquartier auf – Kostenpunkt: 400.000 Euro.

Aus Dortmund: Max Ischia

Dortmund – Nichts ging mehr. Als der BVB (= Ballsportverein Borussia) am Dienstagnachmittag die Vertragsverlängerung mit seinem Jungstar Mario Götze ins Netz stellte, brach der Server der Vereinshomepage (www.bvb.de) zwischenzeitlich zusammen. Gestern, als der deutsche Fußballmeister gemeinsam mit der Tourismusregion Kitzbüheler Alpen-Brixental eine auf drei Jahre anberaumte Zusammenarbeit präsentierte, wurde das immerhin von 14 TV-Kameras und 83 Journalisten eingefangen.

Borussia Dortmund wird von 6. bis 12. Juli sein Trainingsquartier in den Kitzbüheler Alpen aufschlagen. Gewohnt wird in Kirchberg, trainiert in Brixen. „Dort, wo die Bayern Urlaub machen, da arbeiten wir“, scherzte Cheftrainer Jürgen Klopp, der die Region nur vom Hörensagen kennt. „Ich konnte mir früher nur Urlaub in Ellmau leisten.“ Nachsatz: „Aber auch dort ist es schön.“ 400.000 Euro jährlich lassen sich die Unterländer diese Partnerschaft kosten. Im Gegenzug wird u. a. mittels Banden im Borussia-Park geworben, erstmals am Freitag beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart.

Dortmund und Fußball. Das ist Religion. Das ist Faszination. Das ist Kult. Und das ist echte Liebe, wie es im Vereinsslogan heißt. Eine Partnerschaft ohne Wenn und Aber. Ein Doppelpass, der europaweit Rekorde produziert. Eine Liaison, aus der es kein Entrinnen gibt. Ob man nun will oder nicht.

„Wir sind schöner Fußball“, prangt es von einer Unterführung der Schnellstraße. Die Rezeptionsdamen unseres Hotels tragen das Club-Logo am Revers. Der benachbarte Fanshop stimmt in seiner Auslage auf Ostern ein: BVB-Schokohase, BVB-Eieruhr, BVB-Eierbecher, BVB-Eierlöffel und – für die älteren Hasen – ein BVB-Eierlikör. Selbstredend alles in den schwarz-gelben Klubfarben gehalten. Nur zwischenzeitlich müssen Verkaufsschlager wie der BVB-Meisterschalen-Spray, die BVB-Klobürste oder der BVB-Gartenzwerg Marke „Torjäger“ die besten Regalplätze räumen.

Draußen pflastern 100 in Bronze gegossene Sterne den Weg in den 80.720 Fans fassenden „Signal Iduna Park“ – der BVB-Walk-of-Fame, ein Hauch von Hollywood in der 550.000-Einwohner-Metropole in Nordrhein-Westfalen.

Ein paar weitere imposante Klub-Zahlen: 53.000 Dauerkarten-Besitzer, 55.000 Vereinsmitlieder, 550 offizielle Fanklubs und ein Zuschauerschnitt jenseits der 80.000er-Marke. Am Ende werden es exakt 80.521 sein – mehr als der FC Barcelona, mehr als Real Madrid und selbstredend mehr als der FC Bayern.

Für die vier noch ausstehenden Bundesliga-Heimspiele sind keine Karten mehr zu kaufen. Letzte Tickets für die finale Meisterschafts­partie gegen Freiburg werden verlost: 160.000 Vorbestellungen liegen vor, für das DFB-Cup-Finale in Berlin sind es gar 230.000. Dortmund und Fußball. Das ist auch Wahnsinn. Die Kitzbüheler Alpen dürfen sich freuen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 29.03.2012
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