29.03.2012
Innsbruck Land

Busfahrer mit 1,6 Promille ertappt

Kuratorium für Verkehrssicherheit fordert modernste Technik für Bus- und Lkw-Fahrer.

Von Marco Witting

Götzens – Ein Mann übernimmt die Verantwortung für das Wohl von sechs Fahrgästen im Linienbus, den er fährt. Ein Mann der getrunken hat. Offensichtlich. Denn Passanten melden den alkoholisierten Busfahrer bei der Polizei, die die Wahnsinnsfahrt in Götzens am Dienstagabend gegen 18 Uhr stoppt. Und der Alkomat spuckt einen Wert aus, der wohl nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Polizeibeamten erschaudern ließ: 1,6 Promille.

Die Konsequenzen für den Busfahrer: Seinen Führerschein ist er los. Seinen Arbeitsplatz auch. Denn der Unternehmer, der für die Post die Buslinie als Subunternehmer betreibt, handelte umgehend und entließ den Mitarbeiter, der seit ein paar Monaten im Betrieb war, mit sofortiger Wirkung.

Zuletzt sorgte in Tirol ein Busfahrer aus Deutschland für Aufsehen, der im Mai 2011 mit Fahrgästen an Bord und einem Promille Alkohol im Blut in Sillian von der Polizei aus dem Verkehr gezogen wurde.

Dabei gelten für Berufskraftfahrer äußerst strenge Richtlinien in Sachen Alkohol und 0,0 Promille am Steuer. Tirols oberster Verkehrspolizist, Markus Widmann, erzählt, dass sich der überwiegende Teil daran hält. „Wir hatten 2011 an unseren fünf Kontrollstellen über 15.000 Alkoholkontrollen im Schwerverkehr. Dabei wurde bei ‚nur‘ 47 Lenkern eine Alkoholisierung festgestellt.“ Ein derartiger Fall, mit einem Busfahrer, sei „sehr ungewöhnlich“. Bei den Kontrollen der Landesverkehrsabteilung hätte sich gezeigt, dass sich die Lenker durchwegs strikt an die Null-Promille-Grenze halten.

Das Infrastrukturministerium will mit einem neuen Projekt hier die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen. Die so genannten „Alkolocks“ verhindern das Zünden des Motors, wenn der Lenker alkoholisiert ist. Überprüft wird dies, indem der Fahrer, wie bei einem Alkotest, Atemluft in ein angeschlossenes Gerät bläst. In einem Pilotprojekt wurde dieses Verfahren bereits getestet. Mit „gutem Erfolg“, wie das Ministerium verlauten ließ.

Der Haken: Wer genau in das Gerät bläst, kann nicht genau festgestellt werden. Deshalb sieht etwa auch ARBÖ-Tirol-Chef Helmuth Werth die Sache zwiespältig. „Die Technik muss ausgereift sein und ein Missbrauch ausgeschlossen werden.“ Prinzipiell begrüße man aber derartige Sicherheitsmaßnahmen. Ähnlich das Kuratorium für Verkehrssicherheit. „Besonders in Bereichen mit höchster Lenkerverantwortung ist ein Einbau von Alkolocks erstrebenswert“, sagt Othmar Thanner vom Kuratorium.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 29.03.2012
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