01.04.2012
Österreich

Offene Tür zu 200 Moscheen

„Tag der offenen Tür“ soll Vorurteile abbauen. Staatssekretär Kurz bleibt dabei: „Imame müssen Deutsch können.“

Wien – Voraussichtlich im Sommer soll es in Österreichs Moscheen und islamischen Gebetshäusern zu einer Premiere kommen: Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) plant gemeinsam mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft einen „Tag der offenen Tür“ in allen rund 200 Moscheen. „Transparenz fördert das Miteinander und nimmt Ängste“, hofft Kurz, mit dieser Aktion Vorurteile abbauen zu können. Stattfinden soll der Tag der offenen Tür voraussichtlich im heurigen Sommer und danach jedes Jahr, sagte Kurz im Gespräch mit der TT.

Die Aktion ist das erste Ergebnis des „Dialogforums Islam“, das Kurz Anfang des Jahres gemeinsam mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft ins Leben gerufen hat. Sieben Arbeitsgruppen sollen bis Anfang 2013 der Bundesregierung Maßnahmen vorschlagen, um die Integration der 500.000 Muslime in Österreich zu verbessern und Vorurteile ihnen gegenüber abzubauen.

Für Kurz ist dabei auch erforderlich, dass Imame – muslimische Geistliche – Deutsch können. „Das ist mittelfristig eine absolute Notwendigkeit“, betonte er. Die Integration würde gefördert, wenn Imame auf Deutsch predigen. Einen Zwang dazu wollte Kurz gestern aber nicht fordern: „Ich habe nie von einer Pflicht gesprochen. Ich habe nur davon gesprochen, was für die Integration gut ist.“

Kurz und die Glaubensgemeinschaft wollen die Information über die Muslime auch mit Hilfe eines neuen „Islam-ABC“ fördern – als Broschüre und im Internet.

Bereits abrufbar ist im Internet die „Islam-Landkarte“, die unabhängig vom Dialogforum entstanden ist. Die Abteilung für Islamische Religionspädagogik am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien hat eine Liste von 421 Moscheen, Bethäusern und islamischen Vereinen erstellt und mit einer Landkarte verknüpft. Dazu kommt bei vielen Einrichtungen eine kurze Analyse des Trägervereins bzw. der zuständigen Dachverbände.

Kurz hofft, mit diesen Initiativen das Verständnis für den Islam zu fördern: „Man hört immer von den Hasspredigern im Hinterhof. Wir sollten das nicht verdrängen, sondern transparent machen.“ (sabl)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 01.04.2012
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