02.05.2012, 13:04  Aktualisiert: 03.05.2012, 11:30 
Tirol

Fingerkuppen landeten im Müll: „So ein Fehler darf nicht passieren“

Zwei Sanitäter wurden vom Dienst suspendiert. Der Grund: Schlamperei – die Helfer haben die abgetrennten Fingerkuppen eines Kleinkindes im Müll entsorgt.
Tapfer: Die kleine Emily ist nach dem Unfall wieder zuhause. Sie lächelt sogar schon wieder.
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Von Thomas Hörmann

Zirl– Emilys linke Hand ist wieder vollständig: „Die beiden Fingerkuppen konnten angenäht werden. Ob sie richtig anwachsen, kann man laut Arzt erst in zwei Wochen sagen“, erzählt Emilys Mutter Iris Lengauer- Stockner aus Wattens.

Doch beinahe wären die abgetrennten Fingerspitzen der Dreijährigen für immer verloren gewesen, achtlos entsorgt in einem Mülleimer. Offenbar der Fehler von zwei Sanitätern des Roten Kreuzes – der Mitarbeiter und der Zivildiener wurden vorerst vom Dienst suspendiert.

Es war vor einer Woche, als Iris Lengauer-Stockner mit ihrer Tochter eine Freundin in Zirl besuchte. Ein Besuch, der von einem Windstoß jäh beendet wurde. Die Böe warf eine schwere Holztüre ins Schloss. Und zwar ausgerechnet in dem Augenblick, in dem Emily ihre linke Hand dazwischen hatte. „Die Kuppen des linken Mittelfingers und Ringfingers wurden abgetrennt“, schildert die Mutter. Während sich Lengauer-Stockner um die verletzte Tochter kümmerte, verständigte die Gastgeberin die Rettung und packte die abgetrennten Fingerglieder vorsorglich in nasses Klopapier. „Als nach etwa acht bis zehn Minuten die Rettung eintraf, übergab meine Freundin die Kuppen einem Sanitäter“, so die Mutter.

Der nächste Schock nach dem Unfall folgte dann in der Notaufnahme der Innsbrucker Klinik: Als die Ärzte die abgetrennten Glieder wieder annähen wollten, waren die Fingerkuppen nicht mehr auffindbar. „Eine Schwester, die sich übrigens sehr bemüht hat, machte sich auf die Suche. Sie fand das Klopapier mit den eingewickelten Fingerspitzen in einem Mülleimer im Bereich der Rettungseinfahrt.“

Die Erklärung: „Beim Säubern des Rettungsfahrzeugs haben die Sanitäter das gebrauchte Verbandsmaterial entsorgt“, sagt Fritz Eller, Sprecher des Roten Kreuzes: „Dabei wurde leider auch das Papier mit den Fingerspitzen weggeworfen.“

Ob die Schlamperei auf das Konto des hauptamtlichen Mitarbeiters oder des Zivildieners geht, sei unerheblich, erklärt Eller: „Verantwortlich ist immer der Mitarbeiter.“

Beide Sanitäter wurden bereits vorläufig vom Dienst suspendiert.

„So ein Fehler darf einfach nicht passieren. Das lernt man eigentlich schon beim Erste-Hilfe-Kurs“, spricht Eller Klartext: „Wir hoffen, dass die Geschichte für das Kind gut ausgeht.“ Der hauptamtliche Mitarbeiter muss sogar mit seiner Entlassung rechnen. Das sei nicht ausgeschlossen, erklärt Eller.

Iris Lengauer-Stockner ärgert sich aber auch, dass sich das Rote Kreuz erst nach Anfragen der Medien bei ihr meldete und sich entschuldigte. „Ein Mitarbeiter hat die Mutter angerufen, sie aber zunächst nicht erreicht“, bedauert Eller: „Wir haben auch bereits eine Meldung an die Versicherung erstattet.“

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 02.05.2012  13:04
aktualisiert: Do, 03.05.2012  11:30
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