08.05.2012
Innsbruck

„Scherz war Grund für Haft“

Auch wenn der Verdächtige im Mordfall Auer auf freien Fuß gesetzt wurde, ermitteln die Behörden weiter. Der 50-Jährige beteuert allerdings seine Unschuld.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Warum gerät ein 50-jähriger Innsbrucker 22 Jahre nach der Ermordung eines Innsbrucker Zuhälters ins Visier des Landeskriminalamtes? „Dazu sagen wir nichts“, lässt sich Walter Pupp, Chef des Landeskriminalamtes, nicht in die Karten blicken. Im Gegensatz zum Verdächtigen: „Mir wurde ein Scherz, den ich in einem Innsbrucker Lokal gemacht habe, zum Verhängnis“, sagt der gelernte Bäcker.

Die Geschichte im Detail: Der 50-Jährige besuchte kürzlich mit einer Arbeitskollegin ein beliebtes Lokal im Osten von Innsbruck. „Wir hatten doch einiges getrunken und sie erzählte, sie habe einen Menschen auf dem Gewissen, totgefahren bei einem Unfall“, schildert der 50-Jährige: „Ich antwortete, mir werde auch nachgesagt, ich sei ein Mörder und hätte vor 22 Jahren den Auer Anton umgebracht.“

Eine verhängnisvolle Aussage: Denn das Gespräch wurde abgehört. „Wie ich nach meiner vorübergehenden Festnahme am Donnerstag erfahren habe, hatte mich die Polizei schon länger im Visier. Ich wurde beschattet und das Gespräch mit der Mitarbeiterin im Lokal aufgezeichnet. Die Ermittler des Landeskriminalamtes haben mir die Aufnahme sogar vorgespielt.“

Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, bestätigt zumindest indirekt die Existenz der Gesprächsaufzeichnung, schränkte aber ein: „Das ist nicht das einzige Indiz.“

Dass der Verdächtige Samstagmittag nach zwei Nächten in der Zelle von der Haftrichterin auf freien Fuß gesetzt wurde, könnte ein juristisches Nachspiel haben: „Am Dienstag wird entschieden, ob die Staatsanwaltschaft eine Beschwerde einlegt, weil keine Untersuchungshaft verhängt wurde“, erläutert Mayr.

Der Grund für den Verzicht auf die Verhängung der Untersuchungshaft: Es handle sich um keinen dringenden Mordverdacht. Das Ermittlungsverfahren wegen Mordverdachts sei aber aufrecht.

Der Beschuldigte wird sich jetzt mit einem Anwalt in Verbindung setzen. Auch, weil er laut eigenen Angaben durch den zweitägigen Gefängnisaufenthalt arbeitslos wurde. „Ich wurde am Donnerstag festgenommen. Als mein Chef auf meinem Handy anrief und wissen wollte, wo ich bleibe, hat ein Polizist abgehoben. Der Beamte sagte, ich werde nicht mehr in die Arbeit kommen“, behauptet der 50-Jährige: „Als ich am Montag in die Arbeit ging, sagte der Chef, er habe bereits eine Ersatzkraft eingestellt.“

Die Anschuldigungen der Polizei weist der Innsbrucker entschieden zurück: „Ich kannte das Opfer ja nicht einmal. Ja, ich war mit der Frau des Mordopfers jahrelang zusammen, aber das war‘s dann auch schon.“

Rückblende: Es war vermutlich am Abend des 30. Oktober 1990, als der Innsbrucker Anton Auer in seinem Haus in der Lohbachsiedlung erschossen wurde. Die Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes fanden die Leiche des 41-jährigen Zuhälters und Geldverleihers im Hausflur. Der Tote war nur mit einem Bademantel bekleidet, mehrere Projektile aus (seiner eigenen) 7,65-Millimeter-Pistole steckten in Kopf und Oberkörper. Die Unterlagen, in denen Auer Buch über seine Geldgeschäfte führte, waren weg, ein größerer Bargeldbetrag aber noch im Haus.

Ein schwieriger Fall für die Innsbrucker Kripo: Als Kredithai und Rotlicht-Größe war Auer nicht gerade beliebt, der Innsbrucker hatte zahlreiche Feinde.

Die Beamten gingen davon aus, dass Auer von einem Bekannten erschossen worden war. Einem Unbekannten hätte er wohl nicht spätabends im Bademantel die Tür geöffnet. Wie die Untersuchungen ergaben, hatte der Mörder nach der Tat die Haustür von innen verschlossen. Der Täter flüchtete vermutlich durch ein ebenerdiges Fenster.

Die Ermittler vermuteten den Mörder zunächst im Kreis von Auers Schuldnern, zumal die Kreditaufzeichnungen offenbar gestohlen worden waren. Es blieb bei der Vermutung, der Mörder konnte nie identifiziert werden.

Bald nach Auers Tod wurden der jetzige Mordverdächtige und die Witwe ein Paar. Die Beziehung zwischen dem früheren Bäcker und der Prostituierten hielt 18 Jahre. Im Sommer 2010 brach die 48-jährige Witwe plötzlich tot in ihrem Haus zusammen.

Das Landeskriminalamt prüfte routinemäßig den Fall, fand aber keine Hinweise auf Fremdverschulden.

Die Untersuchung der Leiche an der Innsbrucker Gerichtsmedizin ergab, dass die Frau eines natürlichen Todes gestorben sei.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 08.05.2012
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