Bio-Säcke landen oft im Ofen
Von Elke Ruß
Innsbruck – Der umweltbewusste Konsument investiert in eine „zu 100 Prozent kompostierbare“ Einkaufstasche, die er später in der Biotonne entsorgt. – Alles „Verbrauchertäuschung“, wetterte jüngst die deutsche Umwelthilfe, denn die Säcke würden zu einem hohen Anteil aus Erdöl erzeugt und meist doch in den Müllofen wandern.
Auch in Österreich werden solche Bio-Kunststoffe teilweise verbrannt, bestätigt Abfallwirtschaftsexpertin Felicitas Schneider von der Universität für Bodenkultur in Wien auf Anfrage der TT.
Eingestellt seien die meisten Kompostieranlagen heute zwar auf die überwiegend aus Stärke hergestellten Bio-Müllsäcke zum Auskleiden der Sammelküberl und grünen Tonnen. Zumindest zertifizierte Säcke verrotten Tests zufolge in eineinhalb Wochen, weiß Schneider. „Die wenigsten Bio-Kunststoffe sind aber zu 100 Prozent aus nachwachsendem Rohstoff“, schränkt sie ein. „Wenn z. B. eine besondere Zähigkeit gebraucht wird, wie bei einer Tragetasche, dann muss man fossile Rohstoffe reinmischen.“ Deren Anteil kann bis zu zwei Drittel betragen.
Die Mikroorganismen im Kompostierungsprozess könnten mit solchen Bio-Kunststoffen zurechtkommen. „Wenn das Sammel- und Verwertungssystem in der Region aber nicht darauf eingestellt ist, werden sie aussortiert.“ Die Wiener MA 48 (Abfallwirtschaft) etwa habe „keine Freude mit diesen Säcken in der Biotonne, weil man Angst hat, sie könnten die Leute zu mehr Fehlwürfen animieren“.
Auch in Tirol werden Bio-Säcke teils verbrannt, bestätigt Robert Schuchter von der Kompostieranlage der Firma Höpperger in Pfaffenhofen: „Ein Anteil kommt bei der Verarbeitung unweigerlich raus.“ Der Bio-Abfall durchlaufe zuerst einen Vormischer, wo die Säcke zerrissen werden. „Bleiben sie aber ganz oder bekommen nur einen Riss, werden sie bei der Erstabsiebung abgesiebt.“ Dort würden Teile größer als 80 Millimeter ausgeschieden. „Das kann z. B. ein Lederschuh sein, es ist aber auch viel Kompostierbares dabei.“ Zumindest ein Teil davon wird dann noch der Verarbeitung zugeführt.
Alles, was sich im acht- bis neunwöchigen Rottevorgang nicht zersetzt bzw. noch größer als 20 Millimeter ist, wird dann bei der Endabsiebung ausgeschieden und verbrannt. Schuchter: „Da ist viel holziger Anteil vom Strauchschnitt drin, aber auch viel Kunststoff.“ Dessen Anteil im Biomüll sei „enorm“. Höpperger verarbeite jährlich bis zu 9000 Tonnen aus Teilen Innsbrucks und einigen Umlandgemeinden. „Zehn bis zwölf Gewichtsprozent sind Verunreinigungen, fünf bis sechs Prozent sicher Kunststoff.“
Schuchter zufolge sind die verrottbaren Säcke auch von recht unterschiedlicher Qualität. Gute Erfahrungen habe man z. B. mit Produkten eines Schwazer Erzeugers.
Wie Boku-Expertin Schneider bedauert, seien viele Anlagen auf andere kompostierbare Produkte wie Partygeschirr und Gemüseverpackungen, die samt abgelaufener Ware in die Biotonne können, ebenfalls noch nicht eingestellt und sortieren sie aus. Ein Grund dafür sei, dass sich Bio-Kunststoffe und die höchste Kompostqualität „A+“ laut Verordnung nicht vertragen. „Wenn diese Stoffe stärker auf den Markt kommen, ist die Frage, ob es nicht eine neue gesetzliche Regelung bräuchte.“
Ein kleiner Trost bleibt: Bio-Sack & Co. seien in der Herstellung und selbst im Müllofen „eine Spur besser als der Kunststoffsack“: Der Anteil aus erneuerbarem Rohstoff setze ja nur so viel CO2 frei, wie im Wachstum gebunden wurde, und sei klimaneutral.
Wie Schneider ergänzt, arbeitet die Forschung derzeit an Bio-Kunststoffen „aus organischen Abfallstoffen aus Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung. Damit brächte man das Thema der Konkurrenz zu den Lebensmitteln weg.“
Vom Eigenkompostieren all dieser Bio-Säcke rät Schneider jedoch ab: Die Bedingungen im Garten (z. B. Feuchtigkeit, Wärme) seien nicht gut genug. Stattdessen lautet ihr grüner Tipp: „Die beste Tragetasche ist die aus Stoff!“







