16.06.2012
Innsbruck

Mörder tappte in Falle der Polizei

Die Ermordung einer 87-jährigen Höttingerin ist offenbar das Werk eines Rumänen. Die kranke Pensionistin ist auch sexuell missbraucht worden. Der 25-Jährige hat die Gewalttat bereits gestanden.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – 25 Jahre alt, 1,67 Meter groß, Schuhgröße 39: So lautet der Steckbrief jenes Rumänen, der in der Nacht zum Montag am Höttinger Schlotthofweg in Innsbruck eine 87-jährige Frau ermordet haben soll. Dass der Mann bereits drei Tage nach der Gewalttat verhaftet werden konnte, ist seiner Dreistigkeit und dem Einfallsreichtum des Landeskriminalamtes zu verdanken. Die Beamten stellten dem Mordverdächtigen eine Falle.

Die Ausgangslage der Ermittler war alles andere als einfach: Wie berichtet, ist in der Nacht zum Montag eine Höttinger Pensionistin in ihrem Bett erstickt worden.

Was die Polizei aus taktischen Gründen zunächst verschwieg: „Die Frau wurde Opfer eines Sexual- und Tötungsdeliktes“, erklärte am Freitag Landespolizeikommandant Helmut Tomac.

Die Frage, die sich daraus ergab: War der dilettantische Einbrecher, der einen Absperrpfosten benötigte, um ein Fenster einzuschlagen, ein Raubmörder oder ein Sexualverbrecher?

Zur Überraschung der Ermittler war es der Täter selbst, der diese Frage durch sein Handeln beantwortete: „Wir hatten eine Woche eingeplant, um jeden Winkel des Hauses nach Spuren zu durchsuchen“, erzählt Pupp: „Als unsere Spurenbeamten am Dienstagmorgen zum Tatort zurückkehrten, stellten sie fest, dass erneut ein Einbrecher beim Haus war.“

Die Handschrift schien ähnlich. Doch diesmal verwendete der Täter eine Baustellenklammer, um sich Zugang zum Haus zu verschaffen. Ohne Erfolg – eine Holztür und die Bretterverschalung des bereits am Montag eingeschlagenen Fensters hielten den erneut dilettantischen Einbruchsversuchen stand.

Wie schon der Absperrpfosten blieb auch die Baustellenklammer am Tatort zurück. Und ein Schuhabdruck der Größe 39. „Wir dachten zunächst, wir hätten es mit einem sehr jungen Täter zu tun“, so Walter Pupp, Chef des Landeskriminalamtes.

Die Folge des neuerlichen Einbruchsversuchs: Die Ermittler beschlossen, dem Mörder eine Falle zu stellen: „Wir hofften, dass der Täter ein drittes Mal an den Tatort zurückkehren wird.“

Schwer bewaffnete Beamte der Antiterror-Einheit Cobra verteilten sich vor dem Haus am Schlotthofweg, Polizisten in Zivil verteilten sich ringförmig im gesamten Stadtteil.

Die Mühe wurde belohnt: Am Donnerstag gegen 23 Uhr meldeten zwei Fahnder über Funk erstmals „Kontakt“, ein Pärchen bei der Bushaltestelle in der Schneeburggasse hatte die Aufmerksamkeit der Beamten erregt. Tatsächlich spazierten der junge Mann und die noch jüngere Frau in Richtung Schlotthof- weg.

Dass die Beamten „die Richtigen“ im Auge hatten, wurde auf den letzten Metern klar: „Das Paar schlich durch die Gärten in der Nachbarschaft zum Haus“, schildert Pupp. Die Verdächtigen stiegen über den Zaun des Mordhauses, kehrten dann aber wieder um.

Zu spät – „Zugriff“ lautete der Funkbefehl, der zur Festnahme des Paares führte: Ein 45 Zentimeter langes Eisenrohr im Rucksack des Rumänen zeigte den Ermittlern, dass sie auf der richtigen Spur waren.

Noch in der Nacht zum Freitag legte der 25-Jährige ein umfassendes Geständnis ab. Er gab zu, die Frau erwürgt und sexuell missbraucht zu haben. „Er wusste, dass zwei alte Leute (das Opfer und der 90-jährige Bruder) im Haus wohnen“, sagt Pupp. „Er glaubte auch, dass viel Geld im Haus ist und wollte jedes Zimmer durchsuchen.“ In der Mordnacht erbeutete der Mann lediglich einige wertlose Musikkassetten, aber kein Geld. Dieses wollte er sich vermutlich bei den weiteren Einbruchsversuchen holen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 25-Jährige einen Tipp erhalten hat.

Seine Begleiterin, eine 22-jährige Rumänin, bestreitet, am Mord beteiligt gewesen zu sein.

Das Paar ist vor etwa einem Monat in Österreich eingereist. Unmittelbar nach der Festnahme gaben die obdachlosen Rumänen an, am Schlotthofweg nur eine Bleibe für die Nacht gesucht zu haben.

Schon einmal – vor einem Jahr – machten die Rumänen die Bekanntschaft der österreichischen Polizei. Und zwar in Wien – „Betrugsverdacht“ lautete der Vorwurf.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 16.06.2012
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