Eklat beim Dreiländer-Giro
Von Toni Zangerl
Nauders – Die 19. Auflage des Dreiländer-Giro dürfte auch die letzte gewesen sein. Nach dem unglaublichen Eklat, der gestern während des Touristikbewerbes auf Schweizer Staatsgebiet geschah, sieht sich Veranstalter Karl Mall nicht nur massiver Kritik der Radsportler ausgesetzt. Auch eine künftige Kooperation mit der Schweiz scheint ausgeschlossen und damit das Ende des Dreiländer-Giro gekommen.
Was war passiert? Mall erklärt im TT-Gespräch: „Ende Jänner hatte ich das Anmeldeportal mit 3500 Teilnehmern geschlossen, das Starterfeld stand. Im Februar hörte ich von einem Durchfahrtslimit in der Schweiz (Kanton Graubünden, Anm.) von 1500 Radlern. Ende März folgte eine schriftliche Information und vor drei Wochen die endgültige Version.“ Da sei es unmöglich gewesen, das gemeldete Teilnehmerfeld zu limitieren. Startgelder wurden überwiesen, und die Frage hätte sich erhoben: „Wen sollte ich eliminieren bzw. wie informieren? Ein Ding der Unmöglichkeit.“
So kam es, wie es niemand erwartet hatte, als um 6.30 Uhr die Radler auf die Reise geschickt wurden: Um elf Uhr machte die Kantonspolizei die Straße bei Santa Maria dicht. 1500 Teilnehmer hatten die Stelle passiert, dann ging nichts mehr. Umkehren und über das Münstertal und Reschenpass wieder zurück zum Start hieß es für den Rest. Hunderte Hobbysportler ärgerten sich; jene, die laut Rennausschreibung Reisepässe hatten, setzten das Rennen als „Radtouristen“ fort und konnten nicht belangt werden.
Für die Zurückgewiesenen war schnell eine dritte Giro-Runde C samt Zieleinlauf eingerichtet worden. Das Moderatorenduo Otmar Peer und Martin Böckle zog alle Register, um Zuseher und Teilnehmer zu informieren. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass „Spione“ aus Graubünden die Lage in Nauders beobachtet hatten, dass Kontrolleure auf der Strecke die Zählungen vorgenommen hatten und dass dies bereits am Vorabend des Rennens im Internet (Facebook) publik war. „Niemals hätten wir uns erwartet, dass die Schweizer Behörden in der Europaregion den Radsport so boykottieren würden“, war Nauders-Bürgermeister Robert Mair im TT-Gespräch erzürnt und sieht nun die Politik gefordert, eine Lösung zu finden.
Veranstalter Karl Mall nimmt der Bürgermeister in Schutz: „Wie hätte er die Gemeldeten informieren und eliminieren sollen? Unmöglich.“ Dennoch war die Kritik am Veranstalter massiv und präsent. Geschadet hat dieses Theater dem Radsport, eine 20. Jubiläumsausgabe ist mehr als fraglich. Pro und Kontra gab es natürlich bei den betroffenen Radlern (siehe Kommentare rechts).
Sportlich war die 19. Auflage ein Höhepunkt. Mit neuem Streckenrekord von Gerd Hagspiel (Vorarlberg) in 4:58:23 Stunden und dem Sieg von Nicole Heuts (NL) 6:07:47 auf der langen Giro-Route A, sowie dem Streckenrekord von Emanuel Nösig (Ötztal) 3:33:57 und Karin Gruber (Salzburg) in 4:10:13 Stunden auf der kürzen Giro-Route B (siehe Ergebnisse Seite 36).






