Tiroler machen Front gegen deutsches „Griaß di“-Verbot
Von Christoph Mair
und Marco Witting
Innsbruck, Längenfeld – Mit seiner Kettensäge machte sich Philipp Reindl Mittwochfrüh zum Holzfällen in den Wald auf. Doch mit der Vorstellung von einem gewöhnlichen Arbeitstag war der 30-jährige Längenfelder auf dem Holzweg. Sein Handy stand gestern den ganzen Tag nicht mehr still. Dutzende Radiostationen und Zeitungen aus Österreich und Deutschland wollten ein Interview mit jenem Tiroler, der ungewollt die deutsch-österreichische „Griaß di“-Affäre ausgelöst hatte.
Der bei der Tiroler Bevölkerung gängige Gruß hätte den Ötztaler beinahe in rechtliche Schwierigkeiten gebracht. Er hatte T-Shirts mit der Formel bedruckt und sie im Internet auf einer Online-Plattform vertrieben. Eine Firma aus Deutschland hatte die zwei Wörter jedoch 2011 patentieren lassen. Für 900 Euro ist „Griaß di“ somit eine geschützte Wortmarke und für die nächsten zehn Jahre in deutscher Hand. Er habe vom Rechteinhaber unter Androhung einer Klage wegen Urheberrechtsverletzung eine dreitägige Frist gesetzt bekommen, um den Schriftzug aus dem Sortiment zu nehmen, erklärt Reindl. Obwohl er „Griaß di“ vorerst auf „Griaß enk“ geändert habe, wollte der Ötztaler die Causa nicht auf sich beruhen lassen. Er sei auf der Suche nach einem Anwalt, um den Wortmarkenschutz der deutschen Firma zu bekämpfen, kündigte er am Mittwoch gegenüber der APA an. Mit seiner Verwunderung und Empörung blieb Reindl nicht lang allein. Bereits gestern erhielt er Schützenhilfe von der Tiroler Wirtschafskammer. „Die Löschung der Marke ist bereits über die Patentanwälte Torggler & Hofinger beantragt“, verkündete Kammerpräsident Jürgen Bodenseer in einer Aussendung. Bodenseer zeigte sich zuversichtlich, dass man sich schon in wenigen Wochen, „ohne auf juristische Spitzfindigkeiten achten zu müssen“, wieder mit „Griaß di“ begrüßen könne.
Von der Dimension des Streits war auch Philipp Reindl völlig überrascht. „Eigentlich hat das als Spaßgeschichte begonnen“, erzählte der 30-jährige Tiroler. 2007 habe er im Internet ausprobieren wollen, wie ein Webshop funktioniere. Hauptberuflich betreibe er eine Werbeagentur. Ohne viel Werbung für seinen Shop zu machen, verkaufe er bisher „fünf bis sechs“ T-Shirts in der Woche. Ob sich das durch das mediale Interesse jetzt ändere, könne er vorerst nicht abschätzen.
Seine engste Umgebung habe ihn jedenfalls darin bestärkt, in der Frage nicht kampflos aufzugeben. „Einige haben sogar gemeint, ich solle ‚Tschüss‘ patentieren lassen, um den Deutschen etwas zufleiß zu tun“, schmunzelt Reindl.
Peter Mayr aus dem Allgäu, der seine „Griaß di“-Shirts unter dem Label „Die Allgäu Kollektion“ vertreibt, sieht das Tiroler Aufbäumen gelassen. „Das ist ein Sturm im Wasserglas. ‚Griaß di‘ sagt man ja nicht nur in Tirol, sondern auch bei uns oder in Südtirol“, sagte er am Mittwoch der dpa. „Geschützt ist nicht der Gruß, sondern nur der Druck auf T-Shirts.“
Verwundert reagierte man bei der Tirol Werbung auf die Debatte. „Ich bezweifle, dass dies rechtlich haltbar ist“, sagte deren Chef, Josef Margreiter, in einer Stellungnahme und kündigte ebenfalls eine Prüfung an. Auch bei der Tirol Werbung würden T-Shirts mit diesem Aufdruck hängen.
Ein Brief nach Alicante, dem Sitz des EU-Markenamts, ist auch von der Tiroler Versicherung unterwegs. Diese hatte 2004 mit dem „Griaß di“ geworben und zum vermehrten Grüßen angeregt. Ein solches T-Shirt von damals hat Marketingleiter Martin Reiter gleich mit ins Paket nach Spanien gegeben. Er will zudem 2000 Büchlein mit dem Gruß drucken lassen und diese verteilen.
Auf Facebook gibt es bereits die ersten Gruppen, die das „Griaß di“ retten und den Deutschen zeigen wollen, aus welchem Holz Tiroler sind.






