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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 24.04.2013

Uwe Kröger

„Ich bin ein lebensbejahender Mensch“

Musicalstar Uwe Kröger spricht über Körperpflege, seine große Liebe zu einem Mann und das Unwort Outing.

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Worauf darf sich das Publikum bei Ihrem Auftritt am Dienstag im Congress freuen?

Uwe Kröger: Auf einen sehr persönlichen Streifzug durch 25 Bühnenschaffensjahre von Pia Douwes und mir, von „Les Misérables“ bis hin zu „Elisabeth“ mit vielen Soli, sehr vielen Duetten, begleitet von einer Band mit Wiener Topmusikern und einer Gesangsformation, die sehr musicalaffin sind. Gespickt wird das Ganze mit sehr vielen Anekdoten aus dem Nähkästchen von Pia und Uwe. Wir wollen erzählen, was die Fans immer schon wissen wollten.

Ist Pia Douwes so etwas wie ein Herzensmensch von Ihnen?

Kröger: Mehr als das. Es ist so selten in unserem Beruf, dass man jemanden findet, mit dem man auf der Bühne verschmelzen kann und den man gleichzeitig privat so mag. Es ist ein Geschenk, wenn es passiert, und es ist mit Pia passiert.

Was war das Highlight Ihrer Karriere?

Kröger: Das größte Geschenk ist, wenn man eine Rolle mitkreieren darf. So, wie das bei Elisabeth war. Da plötzlich Rollen zu kreieren, die noch keiner gespielt hat, das war neu und auch total beängstigend. Pia und ich waren knapp Mitte 20 und hatten noch keine große Ahnung, wie man das macht. Sie hatte das größere Übel zu tragen, sie musste eine Ikone darstellen. Man konnte Vergleiche anstellen: Ist sie genauso hübsch, hat sie wirklich eine Taille von 48 Zentimetern? Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, was der Tod damit zu tun hat. Ich wollte viel lieber eine historische Figur spielen. Dann haben wir gemerkt, wie bezaubernd und brillant der Gedanke war, diese tragische Geschichte der Kaiserin in Form einer Liebesgeschichte zwischen Elisabeth und dem Tod zu erzählen. Das war für uns beide das Schlüsselerlebnis. Gott sei Dank haben sich dann noch viele Rollen aufgetan. Und das Tolle ist, man wird älter und die Rollen verändern sich. Man darf in neue Charaktere hineinschauen, das ist ein ständiges Wachsen. Das ist das Tolle an unserem Beruf.

Können Sie privat den Tod als Freund sehen?

Kröger: Das Lustige ist, den Satz „Wenn der Tod so schön ist, dann habe ich keine Angst mehr vor dem Sterben“ habe ich nie mehr so oft gehört, wie in der Zeit, als ich den Tod spielte. Ich habe nie Angst vor dem Zustand des Todes gehabt, ich habe nur Angst vor Schmerzen. Ich will keinen gewaltvollen Tod erleiden. Ich könnte mir nie das Leben nehmen, ich finde das so unheimlich grausam. Ich bin ein lebensbejahender Mensch, ich habe keine Angst vor dem Tod, weil ich glaube, er gehört zum Leben dazu. Das Schönste, was man sagen kann, ist, dass man sanft eingeschlafen ist.

Man muss als Musicaldarsteller vielseitig begabt sein. Gibt es etwas, das Sie besonders trainieren müssen?

Kröger: Das hängt von der Rolle ab. Grundsätzlich muss man wach sein. Ich habe mich immer gerne bewegt. Ich gehe auch zum Gesangsunterricht und ich nehme Schauspielunterricht, wo ich ihn kriegen kann. Die Probenzeit ist eigentlich das Schönste an der ganzen Produktion. Der Zuckerguss ist der Auftritt.

Sie sehen sehr gut aus, wie viel Zeit investieren Sie in Ihr Aussehen?

Kröger: Im Bad brauche ich zehn Minuten. Ich mache sehr viel Sport, versuche mich gesund zu ernähren. Ich esse wenig Kohlenhydrate. Das heißt aber nicht, dass ich nicht genieße. Ich mag schon meinen Kuchen oder meine Pommes frites und mein Steak, aber ich mache eben viel Sport. Ohne den Körper herauszufordern, geht es im Alltag nicht.

Ein Arsenal an Cremes brauchen Sie nicht?

Kröger: Cremes brauche ich schon. Meine Mutter hat immer gesagt, schön schmieren. Ich bin ja auch das Gesicht für eine Männerpflegeserie. Man sollte die Haut liebkosen.

Sie sind homosexuell, das war immer ein offenes Geheimnis.

Kröger: Es stimmt, ich habe mich nie geoutet. Ich finde das Wort ein Unwort. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht.

Werden Sie aufgrund Ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert?

Kröger: Ich habe es noch nie erlebt. Ich glaube, wenn man etwas normal vorlebt, dann können die Menschen damit gut umgehen. Ich möchte auch nicht darüber diskutieren, denn es interessiert mich ja auch nicht, was Heterosexuelle im Bett tun.

Würde eine Heirat und eine Stiefkindadoption in Frage kommen?

Kröger: Grundsätzlich glaube ich, dass ich für eine Adoption inzwischen zu alt bin. Zur Heirat: Wenn ich heterosexuell wäre, wüsste ich auch nicht, ob ich heiraten würde. Ich finde, den Menschen, die heiraten wollen, sollte man es gewähren. Es ist ungerecht, wenn Unterschiede gemacht werden, wie geheiratet wird.

Weibliche Fans haben an Sie die Frage gerichtet, ob Sie zu 100 Prozent homosexuell sind.

Kröger: Ich hatte auch Freundinnen. Ich glaube, dass in jedem Menschen homosexuelle Neigungen schlummern. Ja, ich kann mich in Frauen verlieben, aber es ist momentan kein Thema. Ich lebe seit 17 Jahren mit einem Mann zusammen. Alles ist möglich und muss akzeptiert werden. Es gibt Menschen, die sich das nicht vorstellen können, aber die höchste Toleranz haben. Je gefestigter man in seiner eigenen Sexualität ist, desto leichter kann man damit umgehen.

Sind Sie getrennt?

Kröger: In keiner Beziehung geht es leicht vonstatten. Ich glaube, keine Beziehung ist immer nur eitler Sonnenschein, man muss immer daran arbeiten. Fakt ist, dass wir uns sehr lieben und sehr respektvoll miteinander umgehen. Letztendlich rauft man sich immer zusammen. Es vergehen keine 10 Minuten, wo wir nicht miteinander texten oder reden.

Sie waren bei Dancing Stars. Was halten Sie von Balázs Ekker?

Kröger: Er war damals Tänzer, nicht in der Jury. Ich glaube, dass das Ganze eine Riesenmasche ist. Ich würde das nicht tun, ich wäre mir zu schade. Es passt zu ihm, er ist sehr streng und ehrlich. Ich mag das. Ich hatte den größten Spaß mit ihm, er ist sehr lustig. Er provoziert einfach gerne. Ich lache mich schlapp, wenn ich seine Meldungen lese. Mich wundert, dass er überhaupt noch auf die Straße gehen kann.

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