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Süß Verführerisches für Augen und Gehirne

Zwei amerikanische Künstler, die eigentlich drei sind: Wade Guyton, Kelley Walker und Guyton/Walker im Kunsthaus Bregenz.

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Von Edith Schlocker

Bregenz – „Eye Candies“ seien die Arbeiten, die Wade Guyton und Kelley Walker teilweise speziell für ihre gemeinsame Ausstellung erfunden haben, schwärmt Kunsthaus-Chef Yilmaz Dziewior. Wo sich die beiden Amerikaner nicht nur als singuläre Künstler, sondern auch als Hybrid aus beiden präsentierten. Für jede der drei Positionen ist ein Geschoß reserviert. Um es dem Betrachter aber nicht allzu leicht zu machen, infiltrieren die jeweils anderen die Präsentationen von Wade Guyton auf Ebene eins, Kelley Walker darüber und Guyton/Walker ganz oben.

Spannende Nachbarschaften sind das Ergebnis, reizvoll dialogische Interaktionen. Fragen nach authentischer Autorenschaft stellen sich bei dieser Praxis intuitiv. Noch dazu, da sich beide Künstler druckgrafischer Techniken bzw. elektronischer Medien bei der Umsetzung ihrer Ideen bedienen, die oft mit werbeästhetisch aufbereiteten Zitaten aus der neueren Kunstgeschichte aufgeladen sind. Auf riesige Leinwände, Holztafeln bzw. Skulpturen und Installationen in der Form von Tintenstrahl- oder Siebdrucken übertragen.

Die unterschiedlichsten Assoziationen provozieren die Bilder, die der 41-jährige Wade Guyton nach Bregenz mitgebracht hat, wo er bereits vor zwei Jahren in der Gruppenausstellung „So machen wir es“ mit dabei war. Guytons Formate sind riesig, sein Denken ist konzeptionell. Es geht um monochrom streifig oder plakativ zeichenförmig gesetzte Strukturen, um ein subtiles Spiel mit Kontrasten, Linie und Fläche, Ordnungen und deren Störung.

Als eine solche, aber eher doch als Irritation mag der Besucher den Spiegel in der Form eines Rorschachtests empfinden, den Kelley Walker zwischen die stillen Bilder von Guyton gehängt hat. Genauso wie die Siebdrucke, in der sich der Künstler vorgefundener Werbebilder bedient, um sie neu zu interpretieren.

Ebene zwei wird von einer 15 Meter langen und 3,75 Meter hohen, aus 51 Gipskartonplatten zusammengesetzten Wand diagonal durchtrennt. Von Guyton/Walker verwandelt zum Raumbild, umhängt von den eigenartig berührenden „Mauerbildern“ Walkers. Wohl keine Tische und Matratzen, um darauf zu arbeiten oder zu schlafen, sind die bunt bedruckten, die Guyton/Walker ins Kunsthaus gestellt bzw. an dessen Wände gelehnt haben. Schön als schräg bunte Installation sind sie allemal.

Kontrastprogramm in der KUB-Arena im Erdgeschoß, wo aktuell die European Kunsthalle zu Gast ist. Eine 2005 in Köln ins Leben gerufene Institution, die ohne eigenen physischen Raum funktioniert. Um ihre Ausstellungen für jeden Ort maßzuschneidern, in Bregenz inszeniert von der Halbtirolerin Dorit Margreiter. Bestückt mit Videos verschiedener Künstler, in denen es um das Erscheinen bzw. Verschwinden von temporären künstlerischen Räumen geht.

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