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Letztes Update am In House / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Drei Typen und ein Moog

Auf ihrem neuen Album spielen Junip wieder ihre ganze Klasse aus.

Von Sabine Theiner

Innsbruck – Für ihr erstes Album „Field“ haben sich Junip viel Zeit gelassen. Zwölf Jahre, um genau zu sein. Und als das Werk 2010 dann erschien, verfehlte es nicht seine Wirkung. Der Grund, warum die Band so lange für ihr Debüt brauchte, war, dass sich Sänger José Gonzáles in den Jahren seit der Gründung 1998 auch seiner Solokarriere zugewandt hatte. Und zwei erfolgreiche Alben veröffentlichte („Veneer“, 2003 und „In Our Nature“, 2007), die besonders seine samtweiche Stimme in den Vordergrund rückten.

„Junip“, das neue Album, kann als Vertiefung des Erstlings verstanden werden. Die Schweden erfinden sich nicht neu, sondern vertrauen auf ihr­e Stärken: auf ihren eigenwilligen, einzigartigen Sound-Mix. Der beruht auf zwei tragenden Säulen: Zum einen bildet Gonzáles’ Gesang einen wesentlichen Aspekt der Musik von Junip. Sie gibt ihr einen folkigen Touch, eine schimmernde Leichtigkeit. Seine Texte sind einfühlsam und poetisch und erzählen von alltäglichen, menschlichen Dingen. Zum anderen katapultieren Elias Araya (Percussions) und Tobias Winterkorn (Orgel, Synthesizer) den Sound hinaus in eine ganz andere Dimension. Sie produzieren einen krawalligen Krautrock, der sich mit der Kraft von altem Blues und Soul paart. Winterkorn besitzt einen „Moog Prodigy“, einen legendären Synthesizer, den auch Depeche Mode oder Massiv­e Attack verwenden und der Namensgeber für den britischen Prog-Act The Prodigy ist. Der Moog gibt dem Sound einen spannenden Twist, er brummt und wuchert, fast ein bisschen böse.

Er ist eine Wucht, die sich in die zarten Songgefüge hineindrängt. Das hört man besonders gut beim ruppigen „Villain“ oder beim eigentlich so fröhlichen „Your Life Your Call“, bei dem der Moog im Hintergrund herumgrollt. Auf dem neuen Album hat sich die Band von afrikanischen Tribal Sounds inspirieren lassen, was bestimmt damit zu tun hat, dass Elias Araya gebürtiger Äthiopier ist. Die Band ist begeistert von der repetitiven Struktur dieser Musik, von diesem steten Ansteigen der Intensität. Wenn dann noch feine Jazzarrangements („Head First“) oder Folk-Impulse („Walking Lightly“) dazukommen, ist der Junip-Sound perfekt. Am schönsten bringen die drei Schweden ihr Musikverständnis aber in der Single „Line Of Fire“ auf den Punkt: ein grandioser Gänsehaut-Song, der wundervoll groovt und alle emotionalen Höhen und Tiefen auslotet. Chapeau!