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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 26.04.2013

Lieber Krone als Krise

ORF-Adelsexpertin Lisbeth Bischoff sorgt seit 20 Jahren dafür, dass das Fußvolk bei royalen Großereignissen den Überblick behält. Die Quotenqueen im TT-Interview.

Beim ORF werden Sie als „Adelsexpertin“ geführt. Wie wird man zu einer solchen?

Lisbeth Bischoff: Na ja, Adelsexpertin ist ein lustiger Titel, über den ich aber gar nicht so glücklich bin. Ich kenne mich eben einfach gut in Adelskreisen aus und bin geschichtlich sehr interessiert. Und diese beiden Leidenschaften haben sich beruflich gut kombinieren lassen.

Aber was hat diese Leidenschaft für den Adel bei Ihnen ausgelöst?

Bischoff: Mein Vater war Geschichtslehrer und bei uns zuhause in Vorarlberg hat sich schon immer sehr viel um die Habsburger gedreht. Ich bin quasi mit dieser Thematik aufgewachsen. Zudem zählte mein Vater zu jenem Kreis von Auserwählten, die alljährlich zum Geburtstag der Kaiserin Zita in ihr Exil in die Schweiz geladen wurden. Und die Vorbereitungen auf diese Audienz haben mich als Kind unglaublich fasziniert, weil alles so klar reglementiert war: Welche Fragen darf man stellen, welche sind verboten, darf man den Ring küssen oder doch nicht ... Daheim haben wir den Vater deswegen zwar immer ein bisschen ausgelacht, aber wenn er zurückgekommen ist, wollten wir natürlich alle Details aus dieser fremden Welt erfahren.

Hunderttausende Österreicher verfolgen regelmäßig royale Ereignisse, die im Fernsehen übertragen werden. Ist das ein Zeichen dafür, dass wir der Monarchie hinterherweinen?

Bischoff: Nein, das glaube ich nicht. In meinen Augen geht’s eher darum, dass man in Zeiten von wirtschaftlichen und politischen Krisen froh ist, in einen Tag flüchten zu können, der von positiven Dingen dominiert wird. Dass dahinter natürlich auch Skandale passieren, interessiert einen dann nicht. Lieber genießt man die schönen Bilder und Augenblicke und verliert sich in dieser heilen Märchenwelt, in der in Wahrheit natürlich auch wie bei Otto Normalverbrauchern gestritten wird.

Wie haben Sie sich auf die Live-Übertragung der Inthronisation von Willem-Alexander vorbereitet? Haben Sie alles im Kopf oder doch ein Knöpferl im Ohr?

Bischoff: Ich habe am 10. Februar mit den Vorbereitungen begonnen, weil es ja neben der Live-Übertragung auch eine Dokumentation zur Inthronisation gab, die letzte Woche gesendet wurde. Da habe ich also schon sehr viele Informationen gesammelt, die zum Grundwissen, das ich über das Königshaus habe, dazukommen. Am Tag der Live-Sendung gibt’s dann einen genauen Protokollablauf, auf den ich mich vorbereiten kann. Welche Gäste wann kommen, weiß ich aber nicht – da ist dann Spontaneität gefragt. Ins Ohr sagt mir keiner was, es ist eher so, dass ich im Vorfeld die Unterlagen an die verschiedenen Gäste im Studio verteile. Ob Sie’s mir jetzt glauben oder nicht: Das meiste habe ich tatsächlich im Kopf.

Fehler können trotzdem passieren. Ist Ihnen ein Fauxpas in Erinnerung geblieben?

Bischoff: Wenn Birgit Fenderl und ich neun Stunden live auf Sendung sind, ist’s klar, dass wir nicht alles wissen können. Am besten ist es dann, zu seinen Fehlern zu stehen. Wir sind ja auch nur Menschen.

Sie können ohne Zweifel von sich behaupten, die Quotenqueen des ORF zu sein. Wie fühlt sich das an?

Bischoff: Ich freu’ mich natürlich, dass das, was ich mache, bei den Zusehern ankommt. Ich erinnere mich da auch an die Adels-Serie, die ich im letzten Jahr für den ORF gemacht habe: Da hatten wir an einem lauen Sommerabend 700.000 Zuschauer. Da sieht man eben einfach dieses Bedürfnis der Menschen nach positiven Geschichten. Angst vor der Quote muss ich wirklich keine haben. Das Schöne ist auch, dass die Leute aktiv mitarbeiten: Ich krieg’ wahnsinnig viele Mails, in denen mir Zuseher interessante Geschichten erzählen, über die man auch berichten könnte. Besonders rührend fand ich den Brief einer Oma, die mir geschrieben hat, dass sie gemeinsam mit ihrer Enkelin – im Prinzessinnenkleid wohlgemerkt – vor dem Fernseher sitzt und mit Kindersekt auf die Royals anstößt.

Wie nah kommen Sie denn den gekrönten Häuptern?

Bischoff: Sehr nah: Ich hab’ bis auf Queen Elizabeth alle interviewt. Ich bin ja auch ein alter Hase, schließlich habe ich alle Hochzeiten der Thronfolger kommentiert. Das war eine harte Aufbauarbeit, aber jetzt läuft’s ganz gut.

Und warum sträubt sich die Queen so?

Bischoff: Ach, die ist noch vom alten Schlag und hat es nicht notwendig, mit den Untertanen zu sprechen. (lacht)

Beim heutigen Spektakel ist auch Hape Kerkeling im ORF-Team. Angeblich auf Ihr Zutun. Wie kam’s dazu?

Bischoff: Ich bin ein großer Fan von Hape Kerkeling und als Königin Beatrix ihre Abdankung bekannt gegeben hat, hab’ ich ihn sofort angerufen und gefragt, ob er nicht Lust hätte, für den ORF zu kommentieren. Ich war die Erste, die diese Idee hatte und er hat dann auch sofort zugesagt, weil ihm – wie er betonte – diese Professionalität und Schnelligkeit imponiert haben.

Kerkelings Nummer hatten Sie offenbar.

Bischoff: Richtig kombiniert.

Verraten Sie uns noch Ihren Lieblings-Royal?

Bischoff: Prinz Harry: Der sorgt für Eskapaden, steht aber auch für Tradition. In meinen Augen ein wunderbarer Typ.

Das Gespräch führte Christiane Fasching