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„Meistens trank er Whisky, manchmal Tee“

Am 6. Februar 1998 ging die Todesnachricht von Falco um die Welt. 15 Jahre später erinnert die Show „Rock Me Amadeus“ an den Falken, der stets zu hoch flog.

Von Christiane Fasching

Wien – Ein Engerl schmiegt sich an ein Packerl Marlboro. Daneben liegen Herzen aus Stein und bunt bemalte Briefe, die an einen Mann adressiert sind, der sie längst nicht mehr lesen kann. Hans Hölzel, der als exaltierte Kunstfigur Falco die Musikwelt um den Finger wickeln sollte, starb am 6. Februar 1998 bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik – wenige Tage später fand er auf dem Wiener Zentralfriedhof seine letzte Ruhe. Na ja, von Ruhe kann nicht wirklich die Rede sein: Das Begräbnis wurde zur finalen Show des Falken, der Zeit seines Lebens zu hoch flog – was so mancher als arrogante Abgehobenheit interpretierte.

Nicht so Conny de Beauclair, der stolz ist, den Menschen hinter dem Chartstürmer und Lebemann kennen gelernt zu haben. 15 Jahre nach Falcos­ Tod führt die – laut Eigendefinition – „graue Eminenz“ der Szenedisco U4 ein Grüppchen Journalisten durch Wien. Zurück in eine Zeit, als Hans noch meilenweit entfernt vom Star war und mit seiner Mutter in der Ziegelofengasse wohnte – und vom Berühmtsein träumte. Im Haus von Hölzels Kindheit ist bis heute ein uriges Beisl beheimatet, in dem Oberkellner Gerhard das Sagen hat. Und Falcos Aura herumflattert – sein Stammplatz im Gasthaus „Zum Alten Fassl“ wird nämlich nach wie vor in Ehren gehalten. Hier, am holzvertäfelten Ecktisch, darf nicht jeder sitzen. Conny de Beau­clair und der Szenefriseur Erich Joham, der des Falken Haarpracht in Form brachte, dürfen natürlich schon. An der Wand wirbt ein Plakat für die Falco-Gedenknacht im U4, die Jahr für Jahr über die Bühne geht. „Das ist immer wieder sehr rührend – und auch sehr rockig: Von Falcos Songs kriegt man einfach nie genug“, schwärmt Conny, der diese Soirées organisiert. Noch lieber erinnert sich der galante Türsteher aber an die Zeiten, in denen der leibhaftige Falco im U4 antanzte. „Meistens trank er Whisky, manchmal Tee“, plaudert er aus dem Nähkästchen.

Auch Coiffeur Erich hat zahllose Falco-Anekdoten in petto. Etwa jene von Falcos unverkennbarer Gel-Frisur, die nicht auf seine Kappe geht. Vielmehr soll der Wet-Look beim Bad mit einer Kurzzeit-Flamme kreiert worden sein. Die Spitzen durfte ihm aber stets der redselige Friseur schneiden, der kein schlechtes Haar an seinem Lieblingskunden lässt. Was auch daran liegt, dass ihm Falco einst einen Schlapphut mit persönlicher Widmung schenkte – den trägt Erich bis heute voll Stolz. „Dem Hans zuliebe.“

Der Falco-Parcours bleibt kulinarisch: Im Lokal „Oswald & Kalb“, wo das Schnitzel genauso himmlisch schmeckt wie der Tequila-Shot, der auch Österreichs einzig wahrem Popstar mundete, war Hölzel gern gesehener Gast, wie Wirt Stefan Sares zu Protokoll gibt. Müsste er aber gar nicht – das Falco-Porträt samt Unterschrift, das die gute Stube schmückt, ist Indiz genug. Plötzlich wird’s gespenstisch – eine Limousine macht vor dem Schnitzeltempel Halt und aus ihr steigt: Falco. Dem Wirt kommt ein andächtiges „Hans“ über die Lippen, beinahe fällt ihm der Tequila-Shot aus der Hand. Der Kerl mit Gel-Frisur und schwarzem Anzug wiederum bleibt cool und stimmt den Refrain von „Kommissar“ an. Klingt ziemlich echt, aber eben doch nicht ganz – wie denn auch? Falco gab’s eben nur einmal.

Sänger und Musical Star Alexander Kerbst gibt trotzdem sein Bestes, den legendären Sound wieder zum Leben zu erwecken: Unterstützt von der Tribute-Band Kick It Like Falco tourt der gebürtige Deutsche gerade mit der Live-Show „Rock Me Amadeus“ durch Österreich. Und hat ein wenig Bammel vor dem strengen Urteil der rot-weiß-roten Zuhörerschaft. „Das ist eine Mega-Herausforderung“, gibt er zu – und versucht sich am Wiener Slang. Ein „Na, so net“ will er nach der Show, bei der er Hits wie „Jeanny“, „Egoist“ und „Out Of The Dark“ zum Besten gibt, nämlich nicht hören. Conny klatscht schon einmal – ein gutes Zeichen.