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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 29.04.2013

Hemmschuhe Gewalt und Geld

Mexiko-Stadt, Wien – Reporter leben gefährlich in Mexiko – der Welttag der Pressefreit am 3. Mai gilt für das Land nur auf dem Papier. Seit 2006 wurden nach Angaben des Committee to Protect Journalists (CPJ) 14 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet. Bei 27 weiteren Journalistenmorden sei das Motiv noch nicht zweifelsfrei bestätigt. Auf dem Index der Pressefreiheit des Forschungsinstituts Freedom House liegt Mexiko auf dem 139. Platz, hinter Libyen und der Ukraine.

Dabei gibt es in Mexiko keine staatliche Zensur, vielmehr verstummen viele Journalisten aus Angst vor Repressalien der Drogenkartelle oder der örtlichen Sicherheitskräfte. Blogs und soziale Netzwerke werden immer wichtiger. Der „Blog del Narco“ sammelt seit 2010 Informationen über den Drogenkrieg und das organisierte Verbrechen in Mexiko.

In Österreich ist die Pressefreiheit nicht durch Gewalt, sondern durch Geld gefährdet. „Der Politiker, der die Macht hat, Druck auf Medien auszuüben, das aber nicht tut, muss erst erfunden werden“, ist APA-Chefredakteur Michael Lang überzeugt. Ein Beispiel sei die Verquickung zwischen Politik und Boulevard durch Inserateschaltungen, sagte Andreas Koller, stellvertretender Chefredakteur der Salzburger Nachrichten am Montag bei einer Podiumsdiskussion in Wien. Hier sollte das Medientransparenzgesetz Abhilfe schaffen, „geändert hat sich seither aber genau nichts“, so Koller. In Punkto Pressefreiheit sei Österreich im internationalen Vergleich dennoch gut aufgestellt, wie die Diskutanten festhielten. Und das, obwohl Österreich im Länderranking von Platz fünf auf Platz zwölf gerutscht ist, so Rubina Möhring von „Reporter ohne Grenzen“ (RoG). Zu verdanken habe man das schlechtere Abschneiden laut Möhring dem ORF und den dort stattfindenden politischen Postenschachern. (APA, dpa, TT)