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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 29.04.2013

Landtagswahl 2013

Hosp und Oppitz sorgen für Zerreißprobe bei Vorwärts

Kaum gewählt, hätten mindestens zwei Abgeordnete bei Vorwärts zugunsten von Anna Hosp und anderen auf ihr Mandat verzichten sollen.

Innsbruck – Die Risse bei der mit vier Mandaten in den Landtag eingezogenen neuen bürgerlichen Partei Vorwärts Tirol werden immer größer. Und die Nerven liegen seit Sonntagabend blank. Zwar erreichte man aus dem Stand heraus 9,3 Prozent, aber das Ziel, zweistellig Zweiter zu werden, wurde klar verpasst. Noch dazu verfehlte Anna Hosp im Außerfern das Grundmandat, auf der Landesliste kommt sie als Sechste nur durch den Verzicht von vor ihr gereihten Kandidaten zum Zug.

Auch in Innsbruck-Land konnte Vorwärts, anders als erhofft, kein Grundmandat einfahren. Leer ging deshalb auch der Mutterer Bürgermeister Hansjörg Peer aus. In Innsbruck lag das Ergebnis bei 7,5 Prozent und damit unterhalb des Landesergebnisses. Eine Enttäuschung, hatte doch Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer die Werbetrommel gerührt.

Oppitz-Plörer und Anna Hosp sollen gestern darauf gedrängt haben, dass entweder Maria Zwölfer oder Andrea Krumschnabel zugunsten von Hosp auf ihr Mandat verzichten soll. Weil Hosp eben „ein hervorragendes“ Ergebnis eingefahren habe. Die beiden Frauen sollen sogar gedroht haben, sich aus der eben erst gegründeten Partei zurückzuziehen.

Sowohl Maria Zwölfer als auch Andrea Krumschnabel blieben hart und stemmten sich gegen Oppitz-Plörers und Anna Hosps Forderungen. „Wir haben eine Landesliste und nach der werden die Landtagsmandate besetzt“, betonten Zwölfer und Krumschnabel gegenüber der TT. So sei man angetreten. „Also werden die ersten vier der Landesliste auch in den Landtag einziehen“, betonte Krumschnabel. Gerüchte, wonach einer der vier Listenersten zurücktreten soll, um Platz für Anna Hosp oder Lukas Krackl zu machen, wollte die Kufsteinerin nicht kommentieren.

Der Drittplatzierte auf der Landesliste ist der Osttiroler Josef Schett: „Die Liste wurde heute so abgesegnet, jetzt warten wir einmal ein paar Tage ab.“ Sollten sich Anna Hosp und Oppitz-Plörer deswegen von Vorwärts zurückziehen, „so wäre dies kein demokratisches Verhalten“.

Spitzenkandidat Hans Lindenberger wollte sich zu den Vorgängen in seiner Partei nicht äußern. Er ging gestern ebenso wie Oppitz-Plörer und Hosp auf Tauchstation.

Heute will man bei Vorwärts noch einmal zusammenkommen. Die Vorzeichen dafür sind allerdings denkbar schlecht. Denn dass der Riss in der jungen Partei noch einmal zu kitten ist, glaubt eigentlich niemand mehr. Die vier gewählten Mandatare könnten den Spieß auch umdrehen und Oppitz-Plörer und Hosp die Rute ins Fenster stellen. Auf einem Mandat sitzt man gut. Das kann man eigentlich nur durch einen freiwilligen Verzicht loswerden. Danach sieht es bei der neuen Bewegung ganz und gar nicht aus. (pn, aheu, mz)