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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 03.05.2013

Tirols Eltern sind verärgert: Mittelschulen ohne AHS-Lehrer

Die als Vorzeigeprojekt geplante Neue Mittelschule könnte zum Problemfall werden: Nur für 40 Prozent der vorgesehenen Unterrichtsstunden gibt es AHS-Lehrer.

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Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Unterrichtsministerin Claudia Schmied rührt seit Jahren die Werbetrommel für die Neue Mittelschule (NMS). Mittels eines Stufenplans sollen alle Hauptschulen bis 2015/16 zu Neuen Mittelschulen werden und sich mit ihren Lehrplänen an die AHS-Unterstufe anlehnen. Als besonderer Pluspunkt der NMS wurde der gemeinsame Einsatz von Hauptschullehrern und Lehrern von höheren Schulen (AHS oder BHS) in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Englisch angepriesen. Nun könnte aber das Vorzeigeprojekt schon vor seinem endgültigen Ausbau zum Problemfall werden. In Tirol können bereits im laufenden Schuljahr an den 74 NMS nur 65 Prozent der vorgesehenen Unterrichtsstunden von einem Doppelteam (Hauptschullehrer/Lehrer höhere Schule) abgehalten werden. Im nächsten Schuljahr, in dem weitere 24 NMS dazukommen, wird die Lage noch dramatischer: Nur noch geschätzte 40 Prozent sind in der zu Projektstart geplanten Doppelbesetzung möglich. Tirols Eltern sind verärgert: „Das ist eine Frechheit. Es wurde eine Erwartungshaltung aufgebaut, die überhaupt nicht eingehalten werden kann“, sagt Peter Retter, Obmann des Tiroler Landesverbandes der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen Tirols und der Elternvereine an Pflichtschulen. „Statt erfahrenen AHS-Lehrern zumindest in den Hauptfächern werden weitere Hauptschullehrer und Studienabgänger ohne Praxis eingesetzt“, kritisiert Retter. Besonders sauer stößt den Elternvereinen auf, dass der Lehrermangel von vornherein absehbar war: „Das ist ja keine Überraschung. Woher soll man denn die Lehrer nehmen, wenn sie schon an den AHS selber fehlen?“

Tirols Landesschulratspräsident Hans Lintner beruhigt: „Es stimmt, dass es derzeit an Ressourcen mangelt und es besonders schwierig ist, in den entlegenen Gebieten AHS-Lehrer zu finden.“ Man habe nun aber die Vorgaben gelockert und AHS-Lehrer in anderen Fächern wie Geografie eingesetzt. Dass das Lehrerthema à la longue eine Wendung zum Guten nehmen wird, davon ist Lintner überzeugt: „Man muss einer solchen pädagogischen Neuerung die Zeit geben, die sie einfach braucht. Und wir haben sehr viele Studierende, die nachrücken werden.“ Dass so mancher AHS-Lehrer Nein zu einem Einsatz in der NMS sagt und dass es Probleme in gemischten Lehrerteams gibt, will Lintner nicht überbewerten: „Im Großen und Ganzen ist das Team-Teaching für alle sehr bereichernd.“

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