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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 03.05.2013

Imker: „Pestizid-Einsatz verwerflich“

Bienenzucht abseits von Intensivlandwirtschaft und Pestiziden: Albrecht Haider hegt seine Völker auf 900 Metern Seehöhe wie Haustiere.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck – Den Einsatz von Pestiziden für die Lebensmittelproduktion hält er für „absolut verwerflich“, Nikolaus Berlakovich für rücktrittsreif. „Ein Umweltminister sollte sich nicht für etwas einsetzen, das nicht im Sinne der Umwelt ist.“ Und: „Natürlich sollten die Bauern überleben können. Es braucht ein Nebeneinander von Landwirtschaft und Bienenzucht. Doch wenn die einzige Art zu überleben bedeutet, Gift zu verwenden, dann sind wir auf dem falschen Dampfer!“

Albrecht Haider, früherer Vizepräsident im Landesverband der Bienenzüchter und derzeitiger Bezirksobmann, hat sich als Nebenerwerb in Sellrain eine Bienenzucht aufgebaut. „Eine Insel der Seligen“ nennt er die steilen Hänge rund um sein Haus auf über 900 Metern. Unterhalb fließt der Bach. „Hier gibt es mit Sicherheit keine Pestizide.“ Eine Biene schafft maximal sechs Kilometer, es gibt also auch keine „Einschleppungsgefahr“, was giftige Chemikalien betrifft. Die Imker in den Tiroler Seitentälern seien von der aktuellen Diskussion nicht betroffen, nur etwa 20 bis 30 Prozent der heimischen Bienenzüchter im Inntal angesiedelt, wo Obst- und Gemüseanbau betrieben wird. Im Vergleich mit anderen österreichischen Bundesländern mit intensiver Nutzung der Landwirtschaft hält Haider die Situation in Tirol aber generell für weniger prekär. Und mit Ländern wie etwa den USA oder Kanada, in denen es laut Haider „nur noch um den Kommerz“ gehe, könne man sich ohnehin nicht vergleichen. „Dort ist das Bienensterben vorprogrammiert. Bei uns dagegen – und wenn nur ein Volk stirbt –, ist das so, wie wenn andere ihr Haustier verlieren. Wir haben noch eine Liebe zur Imkerei. Das ist das Wichtigste.“

Der Bienenzüchter spricht sich grundsätzlich gegen den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft aus: „Es ist nicht einzusehen, dass wir unsere Lebensmittel vergiften.“ Die heimischen Landwirte sollten den Imkern in der aktuellen Diskussion auch nicht den schwarzen Peter zuschieben. „Die Aussage, sie müssten wegen uns nun mit genmanipuliertem Saatgut arbeiten, weil sie keine Spritzmittel verwenden dürfen, kann man nicht gelten lassen.“

Haider macht sich auch Sorgen um den guten Ruf des Honigs – ein reines Naturprodukt. „Die Leute fahren extra hierher, um ein besonderes Produkt zu bekommen.“ Er selbst bringt seine Bienen zu Sommerbeginn auf die Alm – so wie Bauern ihre Kühe und Schafe. Bis auf 1600 bis 1700 Meter Seehöhe geht es hinauf, um später Alpenrosen- und Heidehonig ernten zu können. Haider besitzt rund hundert Bienenvölker, ein Volk bringe pro Jahr zwischen null und 30 Kilo Ertrag ein.

Rund 20 Prozent sterben im langjährigen Durchschnitt. „Die Bienen waren früher resistenter“, sagt der Züchter. Über die Jahre sei ihr Immunsystem immer schwächer geworden.