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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 03.05.2013

Nur eine(r) wird politisch überleben

Heute Landtagswahl in Salzburg. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) und ihr Herausforderer Wilfried Haslauer (ÖVP) im Porträt.

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Gabi Burgstaller

Kurz vor ihrem 50. Geburtstag am 23. Mai steht der amtierenden Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller ihr vielleicht schwierigster Wahltag bevor: Nach dem Auffliegen des Spekulationsskandals und der Aufkündigung der Landeskoalition durch die ÖVP tritt sie noch einmal an, um mit der SPÖ die von ihr vor neun Jahren errungene Mehrheit in Salzburg zu verteidigen.

Diese Mehrheit im eigentlich schwarzen Bundesland trägt ganz klar ihre Handschrift. Menschlich, umgänglich, volksnah, emotional – und vor allem keine typische Politikerin: So lauten nur einige Beschreibungen für Burgstaller. Im Gedächtnis geblieben sind auch die Tränen, mit denen sie sich bei den Salzburgern für den Finanzskandal entschuldigte.

Dieser Skandal war es auch, der sie noch einmal zur Wahlkämpferin werden ließ: Eigentlich hätte zum regulären Wahltermin 2014 schon ein Nachfolger die SPÖ anführen sollen. David Brenner, der als ihr „Kronprinz“ gehandelt wurde, musste allerdings im Zuge des Finanzskandals zurücktreten. Und ein anderer Nachfolger mit Aussichten auf einen Wahlerfolg war nicht vorhanden.

Burgstaller ist eine gebürtige Oberösterreicherin. Als Juristin in der Arbeiterkammer Salzburg wurde sie 1989 zur Aufdeckerin des WEB-Skandals und Vertreterin von 25.000 geschädigten Anlegern. Es folgte ein rascher Aufstieg in der Politik. Bereits 1994 war Burgstaller Klubobfrau der SPÖ im Landtag. 2001 wurde sie Chefin der Salzburger SPÖ, 2004 wurde sie erste SPÖ-Landeshauptfrau in Salzburg.

Wilfried Haslauer

Wilfried Haslauers Einstieg in die Politik erfolgte gleich an der Spitze: Zwei Monate vor der Landtagswahl 2004 präsentierte ihn der damalige ÖVP-Landeshauptmann Franz Schausberger als Nachfolger, der ihn bald nach der Wahl an der Spitze des Landes ablösen sollte. Die Landtagswahl aber gewann die SPÖ unter Gabi Burgstaller – und für Haslauer blieb vorerst nur die Rolle als Stellvertreter.

Haslauer war schon vor dem Einstieg in die Politik in der ÖVP bestens vernetzt. Bereits sein gleichnamiger Vater war von 1977 bis 1989 Landeshauptmann gewesen. Der Rechtsanwalt Haslauer junior selbst war Kurator im ÖVP-Thinktank „Seebrunner Kreis“ und Präsident der nach seinem Vater benannten „Wil­fried- Haslauer-Bibliothek“.

In der Politik hatte er lange Zeit den Ruf eines Sachpolitikers fernab jeglichen Populismus genossen. Es ist ihm auch gelungen, die bei seinem Antritt 2004 gespaltene Landespartei zu einen.

Haslauers erster Versuch, Salzburg wieder von rot auf schwarz umzudrehen, scheiterte allerdings im Frühjahr 2009. Mit dem Spekulationsskandal sah er im Dezember des Vorjahres schließlich seine Chance gekommen. Plötzlich waren auch neue Töne von ihm zu hören. „Mit der Bande habe ich nichts am Hut“, wetterte er und versuchte, die ÖVP aus dem Skandal herauszuhalten.

Wie – im umgekehrten Fall – Burgstaller will auch Haslauer die Politik verlassen, wenn er heute nicht auf den ersten Platz kommt. Der Vater von vier Kindern lebt nach zwei Ehen in einer Partnerschaft. (sabl, APA)

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