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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 06.06.2013

Hoffnungsschimmer durch Magie

In „Der Glanz des Tages“ mischen Tizza Covi und Rainer Frimmel Fiktion und Realität.

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Von Peter Angerer

Innsbruck – In ihrem 2005 gedrehten Dokumentarfilm „Babooska“ beobachteten Tizza Covi und Rainer Frimmel in Italien einige Zirkusartisten um Patrizia Gerardi und Walter Saabel, die sich 2009 auch in „La Pivellina“, dem Spielfilmdebüt des Regie-Duos, um ein Findelkind kümmerten.

In ihrem neuen Film „Der Glanz des Tages“ reisen Covi und Frimmel mit dem pensionierten Artisten nach Hamburg, denn dort arbeitet sein „Neffe“, der Schauspieler Philipp Hochmair. Der hat noch nie etwas von einem Onkel gehört. Das ist auch der Grund für die Kontaktaufnahme, denn der Messerwerfer erhofft sich eine vermittelnde Rolle zur Versöhnung mit dem Vater des Schauspielers. Philipp spielt am Hamburger Thalia-Theater aber gerade Büchners Woyzeck, eine Rolle, sagt Philipp, die auch Walter gut darstellen könnte. Das könnte eine Beleidigung sein, aber Walter ist mit dem Stück nicht vertraut.

Als sich der Schauspieler nach seiner Rückkehr in Wien auf neue Rollen konzentrieren möchte, steht wieder der Onkel vor der Tür, um sich „für zwei oder drei Tage“ einzuquartieren, doch das ist zu viel Wirklichkeit. Immerhin kann sich Walter um die beiden Kinder des aus Moldawien stammenden Nachbarn kümmern, dessen handwerkliche Fertigkeiten in einem Altbau nicht zu verachten sind. Es ist schließlich der obdachlose Zirkusmensch, dem Burgtheater und bürgerliche Wertvorstellungen fremd sind, der die Initiative ergreift, während der Feingeist Philipp nur Betroffenheit demonstrieren kann. Die Mutter der beiden Kinder hat ihren Flüchtlingsstatus in Österreich verloren und darf aus Moldawien nicht mehr einreisen. Walter baut für sie einen Zauberkasten und Magie ist in Zeiten wie diesen mehr als ein Hoffnungsschimmer. Dafür eroberten Tizza Covi und Rainer Frimmel bei den Filmfestspielen von Locarno im Vorjahr zwei Preise. 2013 gab es den Max-Ophüls-Preis für den besten Spielfilm und den Großen Diagonale-Spielfilmpreis in Graz.

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