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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 07.06.2013

Internationale Beinkünstler

Die Kicker des „FC Sans Papiers“ trafen beim Besuch der Vorstellung „Faust“ auf die Künstler der TanzCompany Innsbruck.

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Von Alexandra Plank

Innsbruck – Sie kommen aus Afghanistan, dem Iran und dem Irak, sind zwischen 17 und 24 Jahren alt und suchen in Tirol um Asyl an. Die jungen Burschen sind leidenschaftliche Kicker des „FC Sans Papiers“. Die anderen sind Bewegungskünstler der höchst erfolgreichen TanzCompany Innsbruck und stammen aus Venezuela, der Ukraine, Italien und Kuba. Gestern, am 8. Juni, sind die Teamplayer im Rahmen eines Theaterabends des Tanzstückes „Faust“ aufeinandertroffen, die einen als Zuschauer, die anderen als Akteure.

Beim Reden kommen die Leute zusammen, heißt es in Tirol, und das war auch der Grundstein für diese Aktion im Zeichen der Integration. Die Präsidentin des „FC Sans Papiers“, Angela Eberl, traf auf den Chef der TanzCompany Innsbruck, Enrique Gasa Valga. Schnell war der Entschluss gefasst, den Asylwerbern ihren ersten Theaterbesuch zu ermöglichen. Unterstützend kam hinzu, dass der ehrenamtliche Trainer des „FC Sans Papiers“, Gert Wiedner, in der Kantine des Tiroler Landestheaters arbeitet. „Wir sind begeistert, wie positiv auch Intendant Johannes Reitmeier die Idee aufgenommen hat“, freut sich Eberl.

Seit Herbst 2012 gibt es den „FC Sans Papier“. Ziel ist es, die Burschen zu integrieren. Immer wieder finden Freundschaftsspiele statt. Eine besonders denkwürdige Begegnung gab es am 7. Juni, da spielten die Asylwerber gegen den Polizeisportverein Innsbruck. „Die Burschen sind total fußballverrückt. In Österreich dürfen Asylwerber nur sehr begrenzt arbeiten, die Kicker trainieren dreimal die Woche und wissen so, etwas Sinnvolles mit ihrer Zeit anzufangen“, sagt SPÖ-Gemeinderätin Eberl. Sie fordert eine Arbeitserlaubnis für alle Asylwerber.

Ein eigener Workshop und der Einführungsabend haben die Kicker auf ihren ersten Theaterbesuch vorbereitet, anschließend gab es ein Treffen mit den Tänzern. Gasa Valga war aber immer überzeugt, dass die Burschen das Stück ohnehin verstehen: „Die Sprache des Tanzes ist universell.“ Gasa Valga, der aus Spanien stammt, weiß, wie wichtig es ist, in einem anderen Land ein Stück Heimat zu finden. „Ich habe mit zwei Kickern aus Afghanistan gesprochen, die haben Furchtbares erlebt. So wie jeder Mensch brauchen sie das Gefühl, akzeptiert und geliebt zu sein.“

Der „FC Sans Papiers“ sucht Unterstützer. Infos unter www.fc-spi.at.

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