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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 07.06.2013

Spezielle Integrationsmaßnahme

Roland Maurmair pimpt in der Galerie im Andechshof seine Tiroler Heimat.

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Innsbruck – Dass die ganz in der Tradition der großen alten Linolschneider gemachten heimatlichen Landschaften von Roland Maurmair stammen, würde man im Wissen um dessen so andere künstlerische Vergangenheit nie glauben. Trügen die meisten von ihnen nicht große pink­e Stempel, auf denen „Pimp mei Heimat“ steht. Wodurch die Installation in der Andechs­galerie erfreulicherweis­e doch zur hintergründig schrägen Pop-Aktion wird.

In der Maurmair liebevoll im Topf abgelutschter heimatlicher Klischees umrührt. Den Blick dort hinlenkt, wo man gar nicht mehr hinschaut, weil man ohnehin alles zu wissen glaubt. Etwa auf die Lawinenverbauungen, die Europabrücke oder das Goldene Dachl. Auf einem von Maurmairs auf nobles Bütten in sechs Farben gedruckten Linolschnitten steht „Sag Speck“, auf einem anderen „Weils Wurscht ist“. Ironisch angelegt als Integrationsmaßnahme, ist doch nur der, der diesen Satz richtig ausspricht, ein echter Tiroler und somit ein Mensch.

Wie Andreas Hofer, dessen am Bergisel stehendem Stand- bild Maurmair ein riesiges, mit Tiroler Adlern geschmücktes Jo-Jo in die Hand geschwindelt hat. Es liegt in der Galerie, in dessen Stirnwand der Künstler für die Dauer der Schau kaum sichtbar die Silhouette der Nordkette gekratzt hat. Schön! (schlo)

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