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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 28.08.2013

Film und TV

Der coole Onkel wird zum Seelenklempner

ATV zeigt ab heute „Anger Management“ mit Charlie Sheen: Ein echter Hingucker ist die US-Sitcom nicht.

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Innsbruck – Charlie bechert gern, hat ein Faible für hübsche Frauen und kein Problem, diese in sein Bett zu bekommen. Sein schmuckes Haus teilt er zeitweise mit einem freakigen Teenager, sein Geld verdient er mit – nein, falsch geraten. Nicht mit dem Komponieren ohrwurmverdächtiger Jingles, sondern mit der Therapierung wutanfälliger Problem-Patienten. „Anger Management“ ist nicht „Two And A Half Men“ und Charlie Goodson ist nicht Charlie Harper, wobei beide von Charlie Sheen verkörpert werden.

Ganz schön viel Charlie – wer den also nicht mag, ist bei der US-Sitcom, die auf der Hollywood-Komödie „Wutprobe“ basiert und am Sonntag (20.15 Uhr) auf ATV Österreich Premiere feiert, fehl am Platz. In „Anger Management“ spielt Sheen den ehemaligen Baseball-Spieler Charlie Goodson, der seine Karriere wegen Aggressions­attacken ad acta legen musste und in der Folge zum Seelenklempner umschulte, der Gleichgesinnte vom Wutweg abbringt. Er selbst legt sich auf die Couch von Kollegin Kate (Selma Blair), mit der er auch ein „gschlampertes“ Verhältnis hat. Die wichtigste Frau in seinem Leben ist aber Tochter Sam (Daniela Bobadilla), die unter Zwangsneurosen leidet, die nicht einmal der Herr Papa heilen kann. Das Verhältnis zu Ex-Frau Jennifer (Shawnee Smith) ist amikal, das zu ihrem neuen Lover Sean (Brian Austin Green) weniger. So weit der Rahmen zur Sitcom, die dem Kabelsender FX beim Start im Juni 2012 Rekordquoten bescherte. Was zur Folge hatte, dass 90 weitere Episoden bestellt wurden. Selma Blair wird in diesen aber nicht mit von der Partie sein – nach einem Streit mit Sheen schied sie aus der Serie aus. Wie war das mit der Wut-Therapie?

Der österreichische Serienstart dürfte auch ATV ein Quotenhoch bescheren – denn erfahrungsgemäß zieht der Name Sheen die Massen an. Dabei ist „Anger Management“ kein Hingucker: Der Schmäh rennt holprig, Charlies Super-Lover-Masche wirkt abgelutscht, für die Lacher, die vom Band kommen, gibt’s wenig Echo. Sheen muss das nicht wütend machen – seine Gage passt ja. (fach)

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