Archiv

Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 29.08.2013

Kunst

Mythenbildung auf dem Rücken der Schildkröte

Markus Lüpertz verbreitet „Unruhe auf dem Olymp“ und zugleich „fürstliche“ Gediegenheit bei der 18. Schau zum Forum Alpbach der Galerie Schmidt.

Markus Lüpertz’ „Taurus-Blau“ und ein „Kentaur“ von 2011 in der Galerie Schmidt. Foto: Thomas Böhm

© Thomas Böhm / TT Markus Lüpertz’ „Taurus-Blau“ und ein „Kentaur“ von 2011 in der Galerie Schmidt. Foto: Thomas Böhm

drucken

Von Ivona Jelcic

Reith i. Alpbachtal – Die Arbeit am Mythos hat beim heute 72-jährigen Markus Lüpertz zweierlei Dimensionen: Zum einen kennt man ihn als den eigenen Genie-Kult sorgsam kultivierenden „Malerfürsten“, zum anderen als großen Freund des Repertoires aus der antiken Mythologie. Zentauren, Götter, Helden, Nymphen, Stiere – hie und da auch ein aquarellierter Mozart und immer, immer wieder Hölderlin – bevölkern denn auch die Ausstellung in Reith, die unter dem Titel „Unruhe auf dem Olymp“ mit Arbeiten aus vier Jahrzehnten aufwartet.

Wobei es dann doch eher unaufgeregt, geradezu gediegen zugeht: mit zahlreichen Metamorphosen des Mythologischen, in farbig bemalten Bronzen genauso wie in Grafiken, in denen Lüpertz bestimmte Themen ebenso ausreizt wie die Möglichkeiten des Mediums, wie im monumentalen Holzschnitt „Der Hirte“ von 1987/88. In der Malerei werkt er auch in aktuelleren Arbeiten wie dem „Rückenakt mit Schildkröte“ mit energischem Strich an der Aufweichung der Grenzen zwischen Figurativem in die Abstraktion. Dass Lüpertz durch sein Festhalten am klassischen Tafelbild in einer Zeit, als dieses verpönt war, als Traditionalist gilt, passt gar nicht schlecht zum Europäischen Forum Alpbach, wo die Zukunftsgespräche gerne mit zünftigem Brauchtum eröffnet werden. Zum 18. Mal sorgt Galerist Gottfried Schmidt heuer nun schon dafür, dass wenigstens am Rande des Forums die dort eher vernachlässigte Kultur nicht zu kurz kommt.

Im Herbst feiert er das 20-jährige Bestehen seiner Reither Galerie, die sich trotz ihres Standorts „am Ende der Welt“ bestens etabliert hat. „Der Standort spielt eigentlich keine Rolle mehr“, ist Schmidt überzeugt, der einst seinen Brotberuf aus Faszination an der Kunst und „weil ich etwas machen wollte, womit ich Geld verdienen kann“, an den Nagel gehängt hat. Er müsse den Kunden eben auch „die schöne Gegend schmackhaft machen“ – und viele kämen nicht zuletzt deshalb immer wieder: „Daraus sind manche Freundschaften entstanden.“ Heute glaubt Schmidt, dass es ihm „hier besser geht als manchen meiner Freunde in der Großstadt“. Und bezeichnet das Internet als wichtiger werdenden Geschäftszweig, „den man nicht außer Acht lassen, aber auch nicht überbewerten darf“. Dass es ihm neben dem Präsentieren von etablierten Positionen etwa eines Hubert Scheibl, Arnulf Rainer oder Adolf Frohner auch um den Künstlernachwuchs geht, zeigt­e zuletzt etwa eine in Kooperation mit der Klocker-Stiftung realisierte Schau in der Galerie Goldener Engl in Hall.

Auch dort wird heuer ein Jubiläum gefeiert: Seit 15 Jahren betreibt Schmidt diesen zweiten Standort, denkt inzwischen allerdings „ans Reduzieren“ zugunsten seiner Reither Galerie.

drucken