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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 02.09.2013

Reutte

Russische Käufer wären gern gesehen

Der Reuttener Anwalt, der russische Hotelkäufe im Ötztal abwickelte, kann sich vor Anfragen kaum retten.

© Mittermayr Helmut

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Von Helmut Mittermayr

Reutte – Vor zwei Jahren herrschte in Tirol helle Aufregung, dass der Ausverkauf des Landes bevorstehe. Russische Geschäftsleute hatten drei Hotels im Ötztal erworben, die Abwicklung der Käufe die Reuttener Anwaltskanzlei Mader/Steskal übernommen. Dass die öffentliche Erregung und gelebte Praxis weit auseinanderklaffen können, das ist eines der Resümees, die Michael Steskal rückblickend zieht. Aber vor allem, dass so mancher im Land gerne eine Immobilie loswerden würde, die Russen aber derzeit kein Interesse zeigen.

„Eine Weile lang ist es richtig rundgegangen und noch immer nicht vorbei“, sagt der promovierte Jurist. Er meint damit die Verkaufsangebote, die ihm in seiner Kanzlei unterbreitet werden. Er habe doch diesen blendenden Kontakt – und könnte das Familiensilber den Russen anbieten. „Von wegen Berührungsängste, Ausverkauf oder Scheu vor russischen Investoren. Unzählige Hotels, aber auch Einfamilienhäuser, Tankstellen und Handwerksbetriebe sollte ich meinen Geschäftspartnern unterbreiten. Auch Beteiligungen wurden immer wieder angeboten“, erzählt der Anwalt. In all diesen Fällen habe er absagen müssen. „Wünsche in diese Richtung können derzeit nicht erfüllt werden, weil ganz einfach kein Interesse von russischer Seite besteht“, sagt Steskal. Die neuen Eigentümer, die in ihrer Heimat mit Major City erfolgreich im Autohandel tätig sind, wollten ganz einfach die drei gekauften Hotels, in denen alle Mitarbeiter gehalten wurden, weiterhin „gescheit führen“. Interessantes Detail: Die Hotels werden in Russland gar nicht beworben, das Augenmerk auf die Herkunftsländer der Gäste ist das gleiche geblieben.

Die Dutzenden Anfragen der Verkaufsinteressenten kamen vor allem aus Tirol, aber auch aus Restösterreich und sogar Deutschland. „Bis aus Düsseldorf wurde ich angerufen, weil jemand ein Hotel an den Mann bringen wollte“, lächelt Steskal.

In einem Punkt getraut er sich die „Zielgebiete“ seiner Geschäftspartner aus Moskau und St. Petersburg genau einzuschätzen. Sie hätten sich nur an Objekten in international bekannten, touristischen Topregionen Tirols, die sie auch selber kannten, interessiert – Ötztal, St. Anton, Ischgl. Schlussendlich seien dann ja auch genau dort das Hotel Valentin in Sölden und die Hotels Josl und Gamper in Obergurgl erworben worden. Ein Hotel im Außerfern wäre zum Beispiel nie in Frage gekommen.

Was die landläufigen Vorurteile gegenüber Russen angehe, seien seine Partner geradezu atypisch. „Das sind ganz korrekte, seriöse Geschäftsleute, die alles andere als mit Geld herumwerfen und wie alle Unternehmer einfach auf wirtschaftlichen Erfolg bedacht sind“, erklärt Steskal. Seine beruflichen Kontakte haben sich längst zu freundschaftlichen ausgewachsen. Der Reuttener Jurist kam erst am Freitag aus dem Urlaub aus Russland zurück. Beim letztjährigen Betriebsausflug der Anwaltskanzlei entstiegen alle Mitarbeiter dem Flieger in St. Petersburg.

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