09.12.2011, 11:12  Aktualisiert: 14.12.2011, 10:48 
Zwickauer Zelle

Hilfe von Neonazis aus dem Westen für das Terror-Trio

Ein Rechtsradikaler aus Westdeutschland packte bei den Ermittlern aus. Er und ein paar Kameraden sollen mögliche Örtlichkeiten für einen Mord ausspioniert haben.
Das Neonazi-Trio Uwe B., Uwe M. und Beate Z. war offenbar in der westdeutschen Szene gut bekannt.
Foto: Bundeskriminal/Bundeskriminalamt

München – In Nürnberg mordeten Uwe B. und Uwe M. zum ersten Mal. Am 9. September 2000 erschossen sie einen türkischen Blumenhändler. Noch acht weitere Bluttaten folgten – immer nach demselben Muster, immer mit derselben Waffe. Die Opfer der beiden Thüringer Neonazis waren stets ausländische Kleinunternehmer. Nun verdichten sich die Hinweise, dass die Morde penibel geplant wurden – mit Hilfe von westdeutschen Kameraden.

„Möglicherweise wurden die auch als Helden gefeiert“

Ein Mann meldete sich nach dem Fahndungsaufruf des Bundeskriminalamts bei den Ermittlern. Der Rechtsradikale sagte aus, er habe gemeinsam mit Gesinnungsgenossen Örtlichkeiten für einen Mord ausspioniert, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Freitag. Kurz bevor das Anschlagsziel festgelegt worden sei, sei er selbst aber abgesprungen. Wenig später hätten die beiden rechtsradikalen Terroristen einen Türken ermordet.

Wie die SZ weiter berichtet, war das Zwickauer Trio bei der harten rechtsextremistischen Szene im Westen bekannt. Dort sei demnach laut der Zeugensaussage bekannt gewesen, dass B. und M. hinter den Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer steckten. „Möglicherweise wurden die auch als Helden gefeiert“, zitiert die Zeitung einen Ermittler.

Enge Verbindungen zwischen Neonazis in Thüringen und Nürnberg

Die Angaben des Rechtsradikalen decken sich offenbar mit vorläufigen Ermittlungsergebnissen. So soll es Indizien geben, die auf eine Zusammenarbeit zwischen dem in Jena abgetauchten Trio und Neonazis aus dem Westen hindeuten. „Wir ermitteln jetzt verstärkt in diese Richtung“, sagte ein Ermittler. Wegen Unterstützung der Terroristen kann der Zeuge aber nicht belangt werden. Denn: „Seine Tat wäre jetzt verjährt“, hieß es von einem der beteiligten Ermittler. Die Verjährungsfrist in diesem Fall beträgt zehn Jahre. Der Mann habe nur über die Zeit gesprochen, die für ihn strafrechtlich ohne Konsequenzen bleibe.

Auf das Konto der Zwickauer Neonazi-Zelle sollen auch mindestens 14 Banküberfälle gehen. 600.000 Euro sollen sie in zwölf Jahren erbeutet haben. Mit dem Geld sollen Uwe B., Uwe M. und Beate Z. auch Kameraden gesponsert haben. Insbesondere zwischen der militanten Szene um Nürnberg und Neonazis in Thüringen sollen nach Informationen der SZ enge Kontakte bestanden haben. „Die Achse Thüringen-Nürnberg war sehr stabil“, erklärte ein Ermittler.

Alte Unterlagen des Verfassungsschutzes bringen die Ermittlungseinheit „Trio“ offenbar auch auf neue Spuren. So zitiert die SZ einen Beamten: „Wenn wir das Material von Polizei und Verfassungsschutz zusammenbringen, bekommen wir ein völlig neues Bild.“ (tt.com)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 09.12.2011  11:12
aktualisiert: Mi, 14.12.2011  10:48
Weitere Artikel zum Thema
Zwickauer Zelle   Mo, 15.04.2013

Münchner Gericht verschiebt Beginn des NSU-Prozesses

Nach den Querelen um die Vergabe von Medienplätzen beim NSU-...

Kein Presseplatz   Mo, 08.04.2013

„Sabah“ reichte Verfassungklage wegen NSU-Verfahren ein

Die türkische Tageszeitung war bei der Vergabe der Presseplä...

Zwickauer Zelle   Mo, 01.04.2013

Hohe Erwartungen an NSU-Prozess - „Lage ist sehr komplex“

Im Strafprozess muss das Gericht prüfen, ob die Angeklagten ...

Events · Kino · TV · Motor · Multimedia · Musik · Stars · Leben ·
AGB Kontakt Impressum