04.03.2012, 10:58  Aktualisiert: 04.03.2012, 13:57 
International

Syrische Truppen nehmen weitere Protesthochburg unter Beschuss

Nach dem Großangriff auf Homs hat die syrische Armee am Sonntag auch die Rebellenhochburg Rastan bombardiert. Das Rote Kreuz hofft noch am Sonntag auf Zugang nach Baba Amr.
Foto: EPA

Rastan – Wie der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, mitteilte, werden seit den Morgenstunden Stellungen der Freien Syrischen Armee im Norden der Stadt „heftig“ mit Artillerie beschossen sowie aus der Luft angegriffen. Die Stadt, die nur 20 Kilometer von Homs entfernt ist, war nach Angaben eines Offiziers der überwiegend aus Deserteuren bestehenden Truppe seit Anfang Februar in der Hand der Rebellen.

Nachdem die syrische Armee am Donnerstag das umkämpfte Stadtviertel Baba Amr in Homs eingenommen hatte, waren viele Oppositionelle davon ausgegangen, dass als nächstes die Städte Rastan und Kusseir im Zentrum des Landes angegriffen werden, die zu großen Teilen von den Rebellen kontrolliert werden.

Grünes Licht für Rotes Kreuz

Nach tagelangen Verhandlungen mit der syrischen Regierung erhält das Rote Kreuz nun offenbar doch Zugang zu dem zerstörten Stadtviertel Baba Amr in Homs. „Wir haben grünes Licht, wir hoffen, reinzukommen, wir hoffen, dass heute der Tag ist“, sagte IKRK-Sprecher Saleh Dabbakeh am Sonntag.

Nach der Einnahme von Baba Amr verweigerte die syrische Regierung dem Roten Kreuz, Hilfsgüter in das zerstörte Viertel zu bringen. Oppositionelle warfen dem Regime von Präsident Bashar al-Assad vor, ein Massaker verübt zu haben, dessen Spuren nun beseitigt würden. Die Armee hatte Baba Amr 26 Tage lang belagert, bevor die Aufständischen sich am Donnerstag zurückzogen. Praktisch jedes Gebäude ist von dem wochenlangen Beschuss beschädigt, die meisten Bewohner sind geflohen.

„Wir machen uns sehr große Sorgen um die Menschen in Baba Amr“, sagte Dabbakeh. Die monatelange Belagerung schnitt das Gebiet weitgehend von der Versorgung mit Öl, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung ab. Ein Konvoi von sieben Lastwagen des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) mit Hilfsgütern sowie Rettungswagen des Roten Halbmondes waren seit der Ankunft am Freitag in Homs nicht vorgelassen worden. IKRK-Präsident Jakob Kellenberger sprach von einem inakzeptablen Vorgang. Bei dem fast einem Jahr anhaltenden Aufstand gegen Assad sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen in ganz Syrien mindestens 7500 Menschen getötet worden.

Leichen von getöteten Journalisten überführt

Die Leichen der am 22. Februar bei einem Bombardement im Viertel Baba Amr in Homs getöteten ausländischen Journalisten Marie Colvin und Remi Ochlik wurden am Sonntagmorgen nach Paris übergeführt, wie französische Medien berichteten. Französische und polnische Diplomaten - Polen vertritt in Syrien die Interessen der USA - hatten zuvor in Damaskus die sterblichen Überreste der amerikanischen Kriegsreporterin Colvin und des französischen Fotografen Ochlik in Empfang genommen.

Bei dem Artillerieüberfall auf ein improvisiertes Pressezentrum waren auch die französische Reporterin Edith Bouvier und der britische Fotograf William Daniels in Lebensgefahr geraten. Beide waren nach einer abenteuerlichen Flucht am Freitagabend in Paris eingetroffen. Bouvier wurde bei den Angriffen am Bein verletzt.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom So, 04.03.2012  10:58
aktualisiert: So, 04.03.2012  13:57
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