20.05.2012, 05:56  Aktualisiert: 20.05.2012, 19:58 
Stärke 5,9

Erdbeben nordwestlich von Bologna: mindestens sechs Tote

Die Zahl der Todesopfer infolge des schweren Erdbebens in Norditalien ist am Sonntagabend auf sieben gestiegen. Eine 86-jährige Frau erlitt nach dem Erdbeben einen Hirnschlag und starb nach der Einlieferung ins Spital.
In Finale Emilia richtete das Erdbeben Schäden an.
Foto: EPA

Bologna – Bereits sechs Todesopfer sind nach einem Erdbeben in der norditalienischen Region Emilia Romagna Sonntagfrüh zu beklagen. Mindestens 50 Personen wurden verletzt, teilten die Rettungsmannschaften mit. Ein marokkanischer Migrant wurde in einer eingestürzten Halle in einem Industriegebiet in Bondeno westlich von Ferrara leblos aufgefunden. Zwei italienische Arbeitnehmer, die Nachtdienst hatten, wurden in der Ortschaft Sant‘Agostino unter den Trümmern einer Keramikfabrik entdeckt, berichteten italienische Medien am Sonntag.

Fünfjährige nach zwei Stunden aus Trümmern geborgen

Eine 37-jährige Deutsche starb nach dem Erdbeben in Sant‘Alberto di San Pietro in Casale in der Provinz Bologna. Nach den Erdstößen hatte sie Atemprobleme bekommen und hatte dann das Bewusstsein verloren. Sie starb kurz daraufhin. In Sant‘Agostino kam eine über hundert Jahre alte Frau, vermutlich aufgrund von Panik, ums Leben. In der selben Ortschaft wurde nach einem Arbeiter gesucht, der in einer Stahlfabrik arbeitete, die wegen des Erdbebens eingestürzt war. Er konnte nur noch tot geborgen werden. Ein fünfjähriges Mädchen musste zwei Stunden lang unter den Trümmern ihrer Wohnung in Finale Emilia ausharren, bevor sie gerettet werden konnte.

Das Beben hatte um 04.04 Uhr die Region Emilia-Romagna erschüttert. Sein Epizentrum habe nahe der Gemeinde Finale Emilia nördlich von Bologna in der Po-Ebene gelegen, hieß es unter Berufung auf das Nationale Geophysikalische und Vulkanologische Institut. Die Stärke wurde mit 5,9 angegeben. Eine Stunde später habe es ein Nachbeben gegeben.

Das Erdbeben war bis nach Österreich zu spüren: Auch in der Gegend um Innsbruck wurden „schwankende Bewegungen“ gemeldet, wie die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) berichtete.

Kunstschätze schwer beschädigt

Am stärksten betroffen war die Gemeinde Sant‘Agostino. Hier musste die Bevölkerung ihre Wohnungen verlassen. Die Menschen wurden in einer Sporthalle untergebracht. In Mirandola bei Modena mussten die Kranken des städtischen Spitals aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. Die Menschen gingen aus Angst auf die Straße. Auch in Mailand war das Erdbeben deutlich zu spüren. In der Provinz Modena stürzte ein Turm ein; drei Personen wurden verletzt. Mehrere Fabriken in der Gegend wurden schwer beschädigt. Die Behörden sprachen von Schäden in Millionenhöhe.

Die Erschütterungen waren auch in der Toskana, im Veneto, in der Lombardei, in Trentino Südtirol und in Friaul zu spüren.

Die Bahnhochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Bologna und Florenz war mehrere Stunden lang unterbrochen, konnte am Sonntagvormittag jedoch wieder in Betrieb genommen werden. In der lombardischen Provinz Mantua wurden mehrere Kirchen und ältere Gebäude beschädigt.

Auch viele Kilometer entfernt vom Epizentrum meldeten die Behörden schwere Schäden an Kunstwerken und Kulturgütern. Die Schäden bei Monumenten und Gebäuden mit historischer Bedeutung seien erheblich, teilten Experten des italienischen Kulturministeriums in Rom am Sonntag mit. Feuerwehrmannschaften seien am Werk, um das genaue Ausmaß festzustellen. Besonders betroffen seien Kirchen und Schlösser in den Provinzen Modena, Bologna und Ferrara.

Im April 2009 kamen bei einem Beben der Stärke 6,2 in der Nähe der norditalienischen Stadt L‘Aquila mehr als 150 Menschen ums Leben. Zehntausende wurden obdachlos.

Starkes Nachbeben: Krankenhaus evakuiert

Nach dem schweren Nachbeben in der norditalienischen Region Emilia Romagna musste am Sonntag ein Krankenhaus in Finale Emilia nahe der Stadt Ferrara evakuiert werden. Die Stabilität des Gebäudes sei gefährdet, warnten die Rettungsmannschaften. Über 100 Nachbeben wurden nach dem schweren Erdstoß in der Nacht auf Sonntag gemeldet.

Der italienische Premier Mario Monti, der in Chicago an einem Nato-Gipfeltreffen teilnimmt, kondolierte den Opfern des Erdbebens. „Wir werden alles mögliche unternehmen, um der betroffenen Bevölkerung Hilfe zu leisten“, versicherte Monti.

(APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom So, 20.05.2012  05:56
aktualisiert: So, 20.05.2012  19:58
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