Archiv

Letztes Update am TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Leute

Fall Rebasso: Anwalt wurde erwürgt oder erdrosselt

Eine DNA-Analyse bestätigte, dass es sich bei der am Donnerstag gefundenen Leiche um den entführten Anwalt handelt.

drucken

Wien - Die am Donnerstag in einem Waldstück bei Königstetten (NÖ) gefundene Leiche ist laut Polizei jene des entführten Wiener Wirtschaftsanwalts Erich Rebasso. Durch einen DNA-Abgleich habe man die Identität des Toten eindeutig feststellen können.

Es seien keine deutlichen Anzeichen einer Gewalteinwirkung feststellbar gewesen. „Aufgrund der Beschaffenheit des Körpers kann man davon ausgehen, dass der Todeszeitpunkt schon geraume Zeit zurück liegt“, hieß es am Freitag in einer Aussendung.

Wie die Polizei am Mittag berichtete, wurde Rebasso entweder erwürgt oder erdrosselt. Der genaue Todeszeitpunkt sei derzeit nicht zu ermitteln. Man könne jedoch davon ausgehen, dass der 48-Jährige unmittelbar nach der Entführung aus der Wiener Innenstadtgarage oder möglicherweise sogar noch in der Garage selbst ermordet worden ist.

Tatverdächtige dürften Wohnort ausgekundschaftet haben

Die beiden Tatverdächtigen, ein 31- sowie ein 35-jähriger Mann, die aus einem Dorf „weit außerhalb von Moskau“ stammen, dürften bereits vor der Entführung aus der Innenstadtgarage gewusst haben, dass Erich Rebasso in der Nähe des Tatorts gewohnt hat. „Im Haus selbst waren sie aber nicht“, so Roman Hahslinger. Es scheint, als hätten die zwei Russen den Wohnort Rebassos zuerst ausgekundschaftet, den Anwalt dann ermordet und anschließend die Leiche nur deshalb in dem Waldstück bei Königstetten vergraben haben, weil sie mit der Gegend bereits einigermaßen vertraut gewesen sind.

Dass es sich um einen Auftragsmord handelte, sei auszuschließen, so Hahslinger zur APA. Die beiden nun in Moskau verhörten Personen zählten demnach zum Kreis jener Anleger, die um hohe Geldsummen geprellt worden waren. Rebasso hatte zwar immer beteuert, mit den Betrugsfällen nichts zu tun zu haben, und erstattete diesbezüglich sogar Selbstanzeige - geglaubt dürften die Männer die Unschuldsbekundungen des Anwalts allerdings nicht haben.

Auslieferung der Verdächtigen scheint unmöglich

Am Freitag wurden die zwei Verdächtigen ins gerichtliche Gefangenenhaus in Moskau überstellt. Dort hat der zuständige Untersuchungsrichter abermals 48 Stunden Zeit, um eine etwaige U-Haft zu verhängen. Seitens des Bundeskriminalamtes (BK) ist im Moment nicht geplant, einen Beamten nach Moskau zu schicken, sagte BK-Sprecher Mario Hejl am Freitag. Als Verbindungsmann mit permanentem Wohnsitz in der russischen Hauptstadt stünde derzeit der Attachee zur Verfügung.

Eine Auslieferung der beiden Männer scheint allerdings unmöglich, denn eine Überstellung russischer Staatsangehöriger aus Russland nach Österreich ist laut Justizministerium ausgeschlossen. Artikel 6 des Europäischen Auslieferungsübereinkommens vom 13.12.1957 (EuAlÜbk) sehe nämlich vor, dass jeder Vertragsstaat die Auslieferung eigener Staatsbürger ablehnen kann. Russland habe dementsprechend zu Artikel 6 EuAlÜbk die Erklärung abgegeben, dass Artikel 61 (Teil I) der russischen Verfassung eine Auslieferung eigener Staatsangehöriger verbiete, so eine Sprecherin des Ministeriums auf APA-Anfrage.

Leiche zwei Tage nach Festnahme entdeckt

Rebasso wurde am 27. Juli vermutlich von zwei Männern in einer Tiefgarage am Georg-Coch-Platz in der Wiener Innenstadt überwältigt, als er auf dem Weg zu einem Außentermin war. Auf Aufnahmen aus einer Überwachungskamera ist zu sehen, wie ein fremder Mann zunächst mit Rebassos Mercedes und danach ein weiterer Mann mit einem Mietwagen aus der Garage fährt. Der Mercedes wurde vier Tage später auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums gefunden, der Mietwagen der Leihfirma zurückgebracht. In beiden Fahrzeugen fand man Blut des Anwalts.

Zweieinhalb Wochen später, am 14. August, wurden in Moskau zwei Männer verhaftet. Sie stehen im Verdacht, den Wiener Anwalt ermordet zu haben. Denn nur zwei Tage danach, am 16. August, entdeckte ein Jäger in einem Waldstück bei Königstetten (NÖ) die verscharrte Leiche Rebassos. (APA)

drucken