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Salzburg

Hotelier vier Tage und vier Nächte im Aufzug gefangen

Der 58-jährige Hotelier hatte weder zu essen noch zu trinken. Der Mann erzählte den Beamten, dass er in Schweden beim Militär eine Jagdausbildung mit einem Überlebenstraining absolviert habe, was ihm bei seiner viertägigen Gefangenschaft in dem Lift auch mental sehr geholfen habe.

Bad Gastein - Ein 58-jähriger Hotelier ist in einem Aufzug seines Hotels in Bad Gastein im Salzburger Pongau vier Tage lang eingesperrt gewesen. Er hatte weder zu essen noch zu trinken. Ein Brotlieferant hörte erst heute, Freitag, in der Früh die Hilferufe. Der Hotelier befand sich nach der Bergung durch die Feuerwehr in sehr gutem Gesundheitszustand, wie die Polizei informierte. „Es geht mir gut“, sagte der gebürtige Schwede Thomas F. in einem kurzen Telefonat.

Der Hotelier war am Montag um 7.04 Uhr mit dem Lift vom fünften Stockwerk in den ersten Stock gefahren. Der 58-Jährige konnte aber die Tür nicht öffnen, weil der Aufzug sich noch 40 Zentimeter weit abgesenkt hatte. Unglücklicherweise hatte er sein Mobiltelefon im Büro liegen gelassen, und das Hotel war bereits geschlossen.

All seine Versuche, sich selbst zu befreien, schlugen fehl. Der Hotelier begann die Decke von der Liftkabine herunterzureißen, um auf das Kabinendach zu klettern. Dann schlug er mit Brettern des Aufzugdaches die rund 20 Zentimeter breite Scheibe der Aufzugstüre im ersten Stock ein. Doch seine Befreiungsversuche scheiterten. Seine Hilfeschreie hörte vorerst niemand.

Brotlieferant hörte Hilfeschreie

Erst als heute, Freitag, um 5.15 Uhr ein befreundeter Brotlieferant die vor dem Hotel liegende Post bemerkte, nahm die „Befreiung“ des Hoteliers ihren Lauf: Der 48-jährige Gasteiner besaß einen Hotelschlüssel, sperrte die Eingangstür auf und legte die Poststücke in der Rezeption ab. Dabei hörte er die Rufe seines Freundes und alarmierte sofort die Feuerwehr.

Der gefangene Hotelier wurde von Mitgliedern der Feuerwehr Bad Gastein aus dem Aufzug befreit. „Er befand sich in einem guten körperlichen Zustand“, erklärte die Polizei. Der Mann erzählte den Beamten, dass er in Schweden beim Militär eine Jagdausbildung mit einem Überlebenstraining absolviert habe, was ihm bei seiner viertägigen Gefangenschaft in dem Lift auch mental sehr geholfen habe. Um nicht in Panik zu geraten, habe er Selbstgespräche geführt, Pläne für die Zukunft geschmiedet und darüber nachgedacht, was er für die nächste Saison alles vorbereiten müsse.

„Kollegen haben berichtet, dass er sehr fit war. Der Mann hatte ja nichts zu trinken und nichts zu essen. Er ist nicht in Panik verfallen“, sagte Polizeisprecher Erwin Resch. Dem gebürtigen Schwede war es am Telefon schon an der Stimme anzumerken, dass er glücklich war, alles so gut überstanden zu haben. „Ja, es geht mir gut. Ich bin jetzt zur Kontrolle beim Arzt.“ Zum Schlafen kauerte sich der Schwede auf den rund 1,2 Quadratmeter kleinen Kabinenboden, der mit einem Teppich ausgelegt war. Der Aufzug ist nur für vier Personen zugelassen. Frische Luft verschaffte er sich, in dem er die Scheibe der Aufzugstüre einschlug. Das Fenster war mit einer Breite von nur 20 Zentimetern zu schmal, um durchschlüpfen zu können.

Da er lange auf dem Aufzugsboden gelegen war, schmerzte seine Hüfte.

„Es macht nichts, ein paar Kilos zu verlieren“

„Er hat keine Verletzungen erlitten. Dass er nichts zu essen hatte, war für ihn nicht das Problem. Er meinte, es mache nichts, ein paar Kilos zu verlieren“, erzählte der Feuerwehrkommandant Andreas Katstaller, der den Hotelier am Nachmittag noch einmal besuchte. Nur der Flüssigkeitsverlust habe dem Mann etwas zugesetzt, sagte Katstaller.

Die Rettung war für die zwölf Feuerwehrmitglieder keine Schwierigkeit und in zehn bis zwölf Minuten erledigt. „Wir haben den Lift im Triebwerksraum stromlos gemacht und auf Handbetrieb geschalten. Mit einem Handrad drehten wir die Kabine wieder auf das Niveau des ersten Stockes.“ Die Feuerwehr vermutet, dass ein technischer Defekt den Lift um 40 Zentimeter abgesenkt hat.

In dem Aufzug befand sich laut Katstaller zwar ein Notrufknopf, das Alarmsignal ist auch im ganzen Gebäude zu hören. „Es war aber niemand da, weil das Hotel die Wintersaison beendet hat und jetzt geschlossen ist.“ Dem Hotelier gehe es gut, er freue sich, dass er gerettet worden ist. „Er bleibt jetzt in Gastein, er hat viel Arbeit zu erledigen.“ (APA)