Archiv

Letztes Update am TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Deutschland

Presseplätze für NSU-Prozess neu vergeben – viele Große nicht dabei

Eine Woche vor dem neuen Prozessbegin am 6. Mai verloste das Münchner Oberlandesgericht am Montag, welche Medien einen reservierten Sitzplatz im Gerichtssaal bekommen. Viele große Medien gingen leer aus.

München – Nach wochenlangen Querelen und einer Verschiebung des Prozessbeginns sind die festen Presseplätze für das Münchner NSU-Verfahren neu vergeben worden. Eine Woche vor dem neuen Starttermin 6. Mai verloste das Münchner Oberlandesgericht (OLG) am Montag, welche Medien einen reservierten Sitzplatz im Gerichtssaal bekommen.

Bei der Verlosung gingen viele große deutsche Medien leer aus. Die überregionalen Tageszeitungen Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, Die Tageszeitung und Frankfurter Rundschau bekamen bei der Verlosung keinen der reservierten Plätze, wie das Oberlandesgericht München mitteilte. Die Süddeutsche zumindest kam aber dadurch zum Zuge, dass ihr wöchentlich erscheinendes Magazin einen Platz bekam. Bei den Nachrichtenagenturen gingen die großen internationalen Agenturen Reuters, AP und Agence France-Presse alle leer aus.

Akkreditierung für „Brigitte“ sorgt für Gelächter

Für Gelächter unter den anwesenden Journalisten sorgte die Nennung einiger, vor allem kleinerer Medien sowie der Frauenzeitschrift „Brigitte“, wie der Spiegel Online berichtet.

Dem Gericht zufolge meldeten sich für die Verlosung insgesamt 324 verschiedene Medien und freie Journalisten an, fast drei Mal so viele wie im ersten Akkreditierungsverfahren.

Im ersten Akkreditierungsverfahren waren alle türkischen und fast alle internationalen Medien bei der Vergabe der fünfzig Presseplätze leer ausgegangen. Nach einer Korrektur dieses Verfahrens durch das Bundesverfassungsgericht ordnete das OLG eine völlig neue Platzvergabe im Losverfahren an. Durch Setzlisten waren für mindestens vier türkische Medien Plätze garantiert. Acht der zehn Mordopfer des rechtsextremen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) hatten türkische Wurzeln. (APA/AFP/tt.com)