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In Syrien freigelassener Österreicher in Wien gelandet

Familienangehörige nahmen den Mann am Flughafen in Empfang. Der Österreicher war im Rahmen einer Amnestie freigelassen worden.

Wien, Damaskus – Jamal Orabi, jener Syrer österreichischer Herkunft, der in Syrien im Dezember festgenommen wurde, ist am Samstag in Wien angekommen. Mehr als 25 Familienangehörige Orabis nahmen ihn am Flughafen Wien-Schwechat in Empfang. „Wir sind überglücklich“, sagte Orabis Neffe Mohamed. „Gott sei Dank lebt er.“ Dazu wie es seinem Onkel in der Haft ergangen sei, konnte er allerdings nichts erzählen.

„Ich persönlich habe zwar gezweifelt, aber die Hoffnung nie aufgegeben. Für mich war klar, dass er eines Tages frei kommt“, so Mohamed. „Und es ist schön, dass es schon nach sechs Monaten passiert ist.“ Vor drei Tagen sei sein Onkel aus der Haft in Damaskus entlassen worden und bei seinen syrischen Angehörigen in Aleppo aufgetaucht. „Das war eine große Überraschung für die Familie“, sagte Mohamed. Sein Onkel sei von dort mit dem Bus über die türkische Grenze nach Istanbul gefahren und habe sich einen Flug gebucht.

Laut Badran Farwati, österreichischer Politologe syrischer Herkunft, ist Orabi im Rahmen einer Amnestie mit rund 80 weiteren Personen freigelassen worden. „Es handelt sich dabei vor allem um Prominente und Doppelstaatsbürger“, so Farwati vom Verein Eunus. „Die Entlassung ist nicht auf Druck irgendwelcher Einzelpersonen, sondern auf Druck von Regierungen und der UNO geschehen“, sagte er. Auch das österreichische Außenministerium habe Druck auf das syrische Regime ausgeübt – „aber dezent“, sagte Farwati.

Direkt nach seiner Ankunft in Schwechat wurde Orabi von einem Beamten des Bundesamtes für Verfassungsschutz befragt. Die Befragung sei freiwillig erfolgt, Orabi habe dieser zugestimmt. Mangels vorheriger Kontaktmöglichkeiten, habe man den Syrer jedoch erst direkt am Flughafen um dessen Einverständnis bitten können, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, gegenüber der APA. In Österreich läge nichts gegen Orabi vor. Da dieser lange Zeit in einem syrischen Gefängnis verbracht habe, würden sich die österreichischen Behörden von ihm jedoch Informationen erhoffen, so Grundböck. (APA)