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Hochwasserkatastrophe

Deichbruch verschärft die Lage in Deutschland

Nach einem Deichbruch in Sachsen-Anhalt hat sich die Lage in den deutschen Hochwassergebieten erneut verschärft. Durch die Sperrung einer Elbbrücke der Bahn kommt es auch im ICE-Verkehr zu Ausfällen und stundenlangen Verspätungen. Aufatmen heißt es indes in Bratislava und Budapest.

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Berlin, Magdeburg - Nach einem Deichbruch im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt hat sich die Lage in den nördlich gelegenen Hochwassergebieten erneut verschärft. Durch die Sperre einer Eisenbahnbrücke über die Elbe kommt es auch im ICE-Verkehr zu Ausfällen und stundenlangen Verspätungen. Betroffen sind die Bahnverbindungen von Frankfurt am Main nach Berlin und von Hannover nach Berlin. Die Züge fallen aus oder werden umgeleitet. Die Bahn berichtete von stundenlangen Verspätungen und riet Reisenden, diese Verbindungen möglichst zu meiden.

Der Deich beim Ort Fischbeck im Landkreis Stendal war gegen Mitternacht auf einer Länge von rund 50 Metern gebrochen, Wassermassen schossen durch die Lücke. Mehr als 1000 Menschen in nahen Ortschaften mussten ihre Häuser sofort verlassen. Helfer haben in den frühen Morgenstunden mit dem Bau eines Notdeichs auf 3,5 Kilometern Länge begonnen. Er sollte am Montagmittag fertiggestellt sein, sagte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement. Rund 300 Feuerwehrleute unterstützten die Bautrupps. Großflächige Überflutungen sind aber weiter möglich.

Pegel im Brandenburg steigen weiter

Die Flutwelle der Elbe bewegte sich unterdessen weiter Richtung Norden. Die Pegel im Bundesland Brandenburg stiegen unaufhörlich. In Wittenberg erreichte der Fluss am Sonntagnachmittag einen historischen Höchststand von 7,85 Metern. Bis Dienstag sollen es 8,20 Meter werden. Selbst bei der „Jahrhundertflut“ 2002 hatte das Wasser die Marke von 7,34 Meter nicht überschritten. Die vom Hochwasser der Elbe bedrohte Altstadt von Lauenburg in Schleswig-Holstein ist evakuiert worden. Am Montagvormittag war das Wasser nach Angaben des Krisenstabs bereits auf 9,18 Meter gestiegen. Am Donnerstag soll der Pegel in Hohnstorf auf der anderen Seite der Elbe bei 10,15 Meter stehen. Höchster jemals gemessener Wasserstand in Hohnstorf waren 9,88 Meter - im Jahr 1855. Der Mittelwert des Pegels lag in den vergangenen zehn Jahren bei rund fünf Metern.

Leichtes Aufatmen in Magdeburg

Ein leichtes Aufatmen gab es unterdessen in Magdeburg: Der Elbepegel sank seit Sonntag deutlich. Am frühen Vormittag stand der Pegel bei 7,14 Metern, nachdem er am Sonntag auf die historische Höchstmarke von 7,46 gestiegen war. „Es gibt ein leichtes Aufatmen, aber noch keine Entspannung“, hieß es seitens der Stadtverwaltung. Bürgermeister Lutz Trümper betonte, Magdeburg bleibe auch in den kommenden Tagen „eine Stadt im Ausnahmezustand“.

Der Pegel vom Wochenende lag mehr als 70 Zentimeter über dem des Jahrhunderthochwassers von 2002. Wegen drohender Überflutungsgefahr waren insgesamt mehr als 23.000 Menschen in Magdeburg zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert worden.

Slowakei beginnt Flutschäden zu zählen

Die Slowakei hat die Donauflut weitgehend überstanden und begann die Schäden zu zählen. Überraschend werden diese wesentlich niedriger sein als beim letzten großen Hochwasser von 2002 und dürften laut vorläufigen Schätzungen nur rund ein Fünftel der damaligen Gesamtsumme von 2,7 Milliarden Euro erreichen, obwohl von Bratislava bis Sturovo der Donaupegel in den vergangenen Tagen alle bisherigen Rekorde gebrochen hat.

Das Hochwasser hat nicht nur Einsatzkräfte und Freiwillige auf die Probe gestellt, den ersten realen Härtetest hat auch das neue Hochwasserschutzsystem für 33 Millionen Euro bestanden, das erst im Vorjahr fertiggestellt wurde und größte Schäden verhinderte. In der Hauptstadt Bratislava ist der Pegel der Donau bis Montagmittag um gut dreieinhalb Meter gegenüber dem Höchststand von 10,3 Metern zurückgegangen. Im Vorort Devin am Zusammenfluss von Donau und March, der von den Fluten am schlimmsten getroffen wurde, haben Hunderte Freiwillige bereits am Wochenende bei den ersten Aufräumarbeiten geholfen.

Schon am Dienstag könnte die Donau wegen erwartetem ergiebigem Regen im oberen Flusslauf erneut vorübergehend um eineinhalb Meter steigen, so das slowakische Hydrometeorologische Amt. Eine zweite Flutwelle sei aber nicht zu befürchten. Im unteren Flusslauf in der Südslowakei waren Sicherheits- und Rettungskräfte auch am Montagvormittag noch voll in Einsatz. In Komarno hat die Donau am Sonntag in der Früh mit 8,88 Meter ihren Höchststand erreicht, der Pegel hielt sich aber auch Montagnachmittag noch über acht Metern.

Donaupegel in Budapest nach Rekordwert am Sinken

Der Donaupegel in Budapest hat nach der am Sonntagabend registrierten Rekordmarke von 8,91 Meter langsam zu sinken begonnen. Große Überflutungen blieben aus, das Hauptaugenmerk der Behörden in der ungarischen Hauptstadt galt dem Schutz der Margareteninsel. Südlich von Budapest, wo die Scheitelwelle am Montag durchzieht, werden nun die Dämme entlang der Donau auf mögliche durchlässige Stellen überprüft. In Budapest ist der Pegel bis Montag in der Früh auf knapp unter 8,90 Meter gesunken. Bürgermeister Istvan Tarlos rief die Bevölkerung dazu auf, Privatfahrzeuge stehen zu lassen und öffentliche Verkehrsmittel zu benützen. Auch Besucher der Stadt sollten möglichst nicht mit dem eigenen Auto anreisen. In Ungarn wurden entlang der Donau bisher rund 1500 Menschen in Sicherheit gebracht.

Leiche aus Fluss in Tschechien geborgen

Auch in Tschechien forderten Starkregen und Sturm die Einsatzkräfte. Die Feuerwehr rückte am Montag zu hunderten von Einsätzen aus, um Keller auszupumpen und Straßen zu räumen. Wegen umgestürzter Bäume kam es im Bahnverkehr zu Verspätungen. Im Stadtzentrum von Prag stand ein Kino unter Wasser. Aus dem Fluss Otava in Westböhmen wurde am Montag die Leiche eines Mannes geborgen, der am Vorabend als vermisst gemeldet worden war. Es dürfte sich um das elfte Todesopfer seit Beginn der Unwetter in Tschechien vor mehr als einer Woche handeln. (APA/dpa/AFP)

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