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Hochwasser

Aufräumarbeiten in Österreich: Angst vor nächster Schlechtwetterfront

Für den Beginn der Woche werden neue Unwetter erwartet. Starkregen könnte in Österreich erneut zum Problem werden. Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren.

Innsbruck/Salzburg/Wien - Kein Ende der Hochwassermisere: In Österreich liefen am Wochenende die Aufräumungsarbeiten nach den Hochwasserereignissen entlang zahlreicher Flüsse auf Hochtouren. Weiterhin gab es Vermisste. Besorgnis stellte sich vor allem wegen mit dem prognostizierten Wetterumschwung drohenden neuen Unwettern ein - vor allem wegen Muren. In Oberösterreichen waren laut einer Bilanz des Bundeslandes insgesamt 228 Gemeinden von dem Hochwasser betroffen.

Neue Unwetter, die am Sonntag in den Abendstunden und Nachtstunden auch über Teile Oberösterreichs niedergehen, könnten verstärkt Schärding betreffen. Eine entsprechende Warnung wurde bereits vom Hydrografischen Dienst an die Feuerwehr ausgegeben, berichtete Michael Hutterer von der Feuerwehr Schärding in Oberösterreich.

Wie weit der Inn in Folge der Niederschläge ansteigen wird, könne man laut Auskunft des Hydrographischen Dienstes noch nicht sagen. Es fehlten zum Teil auch noch Messwerte, da in Bayern einige Wetterstationen im Zuge des Hochwassers zerstört wurden. „Der Bürgermeister ist bereits von mir informiert, Bauhofmitarbeiter richten die mobilen Schutzwände schon wieder her“, so Hutterer. Die Reinigungsarbeiten wurden vorerst unterbrochen. Allerdings gelte es, besonnen zu bleiben: „Wir wollen die Bevölkerung nicht beunruhigen.“

In Tirol erfolgten am Wochenende die Aufräumungsarbeiten mit unverminderter Aktivität. Hochtouren. Unterdessen verwiesen Meteorologen auf die für die Nacht auf Montag erwartete nächste Schlechtwetterfront. Für rutschgefährdete Hänge könnte neuerlicher Niederschlag den Abgang von Muren bedeuten.

Murenabgang im Alpbachtal

In Kössen konnten die Betroffenen am Wochenende erneut auf die Hilfe von vielen Freiwilligen zählen, die aus allen Landesteilen angereist waren. Auch das Bundesheer stand weiter im Assistenzeinsatz. Wie gefährlich die Lage in Teilen Tirols immer noch ist zeigte sich in der Nacht auf Sonntag im Alpbachtal. Dort verlegte eine Mure nach einem Gewitter die Landesstraße, die nach den Aufräumungsarbeiten Stunden später wieder freigegeben werden konnte. Verletzt wurde dort niemand.

Weiter aufrecht waren mehrere Straßensperren. Unter anderem war die Brennerbundesstraße (B 182) für jeden Verkehr nördlich von Schönberg unpassierbar. Eine Mure hatte dort die Fahrbahn verlegt. Die Sperre dürfte voraussichtlich erst in der zweiten Wochenhälfte wieder aufgehoben werden können.

Zwei Vermisste in Salzburg

Ohne Ergebnis blieb am Wochenende die Suche nach jenen beiden Menschen, die seit vergangenem Sonntag in der Pinzgauer Gemeinde Taxenbach im Bundesland Salzburg vermisst werden. Ein 48-jähriger Bauer und eine 19-jährige Frau waren in ihren Fahrzeugen von Muren mitgerissen worden.

Am Samstag suchten Wasserrettung, Feuerwehr und Polizei ergebnislos bis 23.00 Uhr nach den Vermissten. „Wir sind auch heute Vormittag wieder ausgerückt“, sagte Engelbert Haunsperger von der Wasserrettung am Sonntag zur APA: „Wir haben die Suche gegen Mittag unterbrochen.“ Die Einsatzkräfte müssten sich auch einmal ausruhen, außerdem drohten erneut Unwetter, erklärte Haunsperger.

1750 Soldaten im Einsatz

Um die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser noch schneller voranzutreiben, hat das Militärkommando Niederösterreich zusätzliche 250 Soldaten in die „Schlammschlacht“ geworfen. Somit arbeiteten am Sonntag aktuell 1750 Soldaten an der Beseitigung der Hochwasserschäden. Das Schwergewicht lag in den Räumen Emmersdorf, Melk, Aggsbach, Marbach, Mautern, Dürnstein, Klosterneuburg, Korneuburg, Orth und Hainburg.

Dass Hilfeleistung mitunter gefährlich sein kann, zeigte ein Vorfall am Samstag: In Emmersdorf an der Donau fanden Pioniere aus Melk im Keller eines von der Flut betroffenen Hauses ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Die noch scharfe Handgranate wurde am Sonntag an den Entminungsdienst des Bundesheeres übergeben und gesprengt.

Neben den Profisoldaten des Österreichischen Bundesheeres seien auch viele junge Rekruten dabei und damit erstmalig persönlich mit den furchtbaren Auswirkungen von Naturkatastrophen konfrontiert. Militärkommandant Brigadier Rudolf Striedinger lobte nicht nur den Einsatzwillen der Soldaten, sondern hob auch die Dankbarkeit der Bevölkerung für die Hilfe hervor.

228 Gemeinden in Oberösterreich waren überschwemmt

Insgesamt 228 Gemeinden in Oberösterreich sind vom Hochwasser betroffen gewesen. 22 Orte und Städte galten dabei als „schwer bis schwerst betroffen“ mit Schadenssummen an Gebäuden und Liegenschaften von über einer Million Euro. Das ergab ein erster Rundruf bei den Bezirkshauptleuten, wie Landeshauptmann Josef Pühringer (V) in einer Presseaussendung am Sonntag mitteilte.

Zu den am meisten betroffenen Gebieten mit sehr hohem Schaden zählen unter anderen Schärding, Aschach (Bezirk Eferding), Ebensee (Bezirk Gmunden), Ostermiething (Bezirk Braunau), Langenstein und Luftenberg (Bezirk Perg), Feldkirchen, Goldwörth, Ottensheim und Walding (alle Bezirk Urfahr-Umgebung).

Nach Einschätzung der Bezirkshauptmannschaften sind weitere 38 Gemeinden in mittlerem Ausmaß betroffen. Hier rechnet man mit Schäden unter einer Million Euro aber über 100.000 Euro. Weitere 168 Ortschaften und Städte wurden geringfügig vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen. (APA)