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Kolumbien

27 Tote bei Gefechten zwischen Rebellen und Armee

Kolumbien kommt trotz der Friedensverhandlungen mit der FARC nicht zur Ruhe. Bei Kämpfen sind am Wochenende mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen.

Bogota - Bei Gefechten zwischen Rebellen und der Regierungsarmee sind in Kolumbien nach Medienberichten mindestens 21 Soldaten und sechs Aufständische getötet worden. Die Armee bestätigte zunächst den Tod von vier Soldaten. Zudem seien am Samstag sechs Farc-Rebellen bei Gefechten in der südlichen Provinz Caquetá getötet worden. Es gab mehrere Verletzte. Die kolumbianische Zeitung „El País“ berichtete, dass am Samstag zudem in dem an Venezuela angrenzenden östlichen Department Arauca 17 Soldaten bei Feuergefechten gefallen seien. Dafür gab es aber zunächst keine offizielle Bestätigung.

Unklar blieb, ob an den Gefechten in Arauca Mitglieder der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) oder der marxistischen Farc beteiligt waren. Die Vorfälle dürften die seit Monaten laufenden Friedensgespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und den Farc-Rebellen belasten. Die Verhandlungen mit den „Revolutionären Streitkräften Kolumbiens“ (Farc) waren im vergangenen Oktober in Oslo aufgenommen worden. Ende Mai erzielten beide Seiten eine erste Einigung im ersten von fünf Punkten der vereinbarten Friedensagenda.

Am Samstag hatte die FARC-Guerilla erklärt, seit Ende Juni befinde sich ein US-Soldat in ihrer Gefangenschaft. Als Zeichen ihres guten Willens werde sie den „Kriegsgefangenen“ freilassen. Damit werde ein Beitrag für Fortschritte bei den derzeitigen Friedensverhandlungen mit der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos geleistet, hieß es weiter. Für die Freilassung des Soldaten schlug die Guerilla die Bildung einer Mission vor. Ihr sollten die frühere liberale Senatorin Piedad Córdoba und Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) angehören.

Ein IKRK-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, seine Organisation sei in Kontakt mit den Konfliktparteien und bereit, zur Freilassung des US-Soldaten beizutragen. Der US-Botschafter in Bogotá, Michael McKinley, erklärte unterdessen, bei der Geisel handele es sich um einen Touristen, der früher einmal bei den US-Marines gewesen sei. Mit dem bewaffneten Konflikt in Kolumbien habe der Mann nichts zu tun. Die USA unterstützen Kolumbien seit mehr als zehn Jahren militärisch und logistisch im Zuge von Aufstandsbekämpfung und Anti-Drogen-Kampf.

Die Gespräche zwischen den Rebellen und der Regierung hatten im vergangenen November in der kubanischen Hauptstadt Havanna begonnen. Sie sollen am 28. Juli fortgesetzt werden. Derzeit steht die Teilhabe der FARC-Guerilla am politischen Prozess im Mittelpunkt. Im Mai hatten beide Seiten in der zentralen Frage der Landreform eine Einigung erzielt. Neben der politischen Partizipation stehen noch Themen wie der Drogenhandel, der Verzicht auf den bewaffneten Kampf durch die Rebellen und Entschädigungen für Opfer des Konflikts auf dem Gesprächsprogramm.

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) wurden 1964 im Kampf gegen Großgrundbesitzer gegründet. In dem Konflikt mit der Regierung und ultrarechten Paramilitärs wurden nach amtlichen Angaben 600.000 Menschen getötet und fast vier Millionen Menschen vertrieben. Die FARC-Guerilla ist die größte Rebellengruppe in Kolumbien. Schätzungen zufolge verfügt sie über rund 8000 Kämpferinnen und Kämpfer. Die Guerillaorganisation Nationales Befreiungsheer (ELN) mit etwa 2500 Kämpfern hält sich derzeit abseits vom Friedensprozess. (APA/AFP/dpa)