22.10.2011
Imst

Experte warnt vor Panikmache

Gutes und schlechtes Radon: Zwölf Jahre nach seinem ersten Vortrag referierte der Schweizer Heinz Surbeck beim Geoforum.
Der Schweizer Wissenschafter Heinz Surbeck referierte zu Radon.Foto: Ploder
Foto: REDAKTION

Umhausen – Ende der 1990er-Jahre hielt eine Debatte über die Schädlichkeit des radioaktiven Edelgases Radon die Ötztaler Gemeinde Umhausen in Atem. Sogar von Aussiedlung war die Rede. Radium als Ausgangsstoff für Radon wird dabei aus dem Material des Köfler Bergsturzes ausgewaschen.

Zwölf Jahre nach seinem ersten Vortrag referierte der Schweizer Wissenschafter Heinz Surbeck beim Geoforum im neu eröffneten Kurzentrum in Umhausen über das Radon und seine heilsamen wie schädlichen Wirkungen. Als Edelgas chemisch quasi neutral, können die beim weiteren Zerfall des Radons entstehenden Stoffe und Strahlungen nämlich zu unterschiedlichen Wirkungen führen. Dabei unterscheidet er das kontrolliert eingesetzte und in seiner Wirkung bestimmbare „gute Radon“ vom natürlich als Gas auftretenden und möglicherweise schädlichen „schlechten Radon“.

Radon dient unter anderem zur Schmerzbehandlung in der Medizin, als Indikator in der Hydrografie und Geologie oder zum Grünfärben von Diamanten. Einst wurde Radon auch als Bestandteil hochwertiger Lebensmittel und Mineralwässer gepriesen.

Im Zuge der Schädlichkeitsdebatte bezog Surbeck eine klare Position der Vorsicht mit einer ebenso klaren Absage an Panikmache und unvollständiger wie einseitiger Informationspolitik. „Radioaktivität ist überall“, betont Surbeck, „wer sich in Höhenlagen begibt oder oft mit dem Flugzeug fliegt, erhält dabei eine vielfach über den empfohlenen Grenzwerten liegende Strahlendosis, ohne dass negative gesundheitliche Wirkungen beobachtet werden.“

Werden in Gebäuden, wie beispielsweise in Teilen von Umhausen, erhöhte Radonwerte gemessen, so lässt sich mit einfachen technischen Mitteln das meist über den Keller stattfindende Einströmen des Gases verhindern. Einen signifikanten Zusammenhang zwischen moderater Radonbelastung und erhöhtem Lungenkrebsrisiko sieht Surbeck seiner Ansicht nach jedenfalls nicht. (tp)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 22.10.2011
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