08.10.2011
Innsbruck

Schaulust und Kaufrausch

Die erste lange Shoppingnacht in Innsbruck fiel trotz Regens und kühler Temperaturen ganz und gar nicht ins Wasser. Der Ansturm in mehr als 650 Betrieben war enorm.
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Von Katharina Zierl

Innsbruck – 130 Euro. So viel gab‘s von der Mama. „Das gebe ich heute ganz sicher aus. Mindestens“, sagt Madeleine. „Voll super“, sei die lange Einkaufsnacht, sind sich Madeleine und ihre Freundinnen einig. Voll super war auch der Ansturm, den Innsbruck gestern Abend erlebte. Kühle Temperaturen und Regen taten dem kollektiven Shoppingerlebnis keinen Abbruch. Im Gegenteil.

Im Kaufhaus Tyrol, das mit rotem Teppich und DJ-Beschallung lockte, zählte man bereits nach ein paar Stunden mehr als 30.000 Besucher. Auch im Einkaufszentrum dez war der Andrang enorm, wie Centermanager Helmut Larch gegen Halbzeit des Shoppingmarathons voller Begeisterung mitteilte: „Es läuft wirklich super. Die ganze Vorarbeit hat sich ausgezahlt.“ Was die Einkaufszentren und Geschäfte freute, war für das umfangreiche Rahmenprogramm in der Innenstadt nicht gerade zuträglich. Männer auf Stelzen, Clowns, Zauberer, Trommler und Co. spielten an so mancher Ecke allein ihr Programm ab.

Insgesamt lief‘s aber blendend, wie auch Bernhard Vettorazzi, Geschäftsführer des Stadtmarketings, gegenüber der TT betonte: „Das Konzept ist voll aufgegangen. Die meisten Geschäfte sind sehr zurfrieden, den Kunden taugt‘s. Was will man mehr?“

Dabei hagelte es im Vorfeld einiges an Kritik. Wenig erfreute Stimmen seitens der Gewerkschaft wurden laut. Die Genehmigung des Landes zur Ausweitung der Öffnungszeiten bis 23 Uhr würde gegen Gesetze verstoßen. Die Herbstmesse als Anlass für die längeren Öffnungszeiten sei lediglich „vorgeschoben worden“, polterte Tirols ÖGB-Vorsitzender Otto Leist. Vorgeschoben oder nicht: Die Freunde des ausgiebigen Shoppings zeigten sich von den kritischen Stimmen jedenfalls völlig unbeeindruckt. Von 18 bis 23 Uhr nutzten die vorwiegend weiblichen Einkaufsfans die Gelegenheit, auch zu später Stunde die Geschäfte unsicher zu machen.

Zum ersten Mal fand in der Landeshauptstadt eine lange Einkaufsnacht statt. Rund 650 Betriebe in der Innenstadt und in den großen Einkaufszentren beteiligten sich an der Aktion. Und lockten nicht nur mit diversen Preiszuckerln, sondern auch mit Verkostungen, Modeschauen, Gewinnspielen und Kinderprogramm.

Sabine Wolak, Frederike Leopold und Monika Stolz mischten sich ebenfalls unters Volk. „Ich finde, die lange Einkaufsnacht ist eine Bereicherung für die Stadt“, sagt Wolak, die sich selbst als „den typischen Schauer“ bezeichnet. Die drei nutzen die lange Einkaufsnacht wie viele andere für einen gemeinsamen Frauenabend. „Und wenn wir was Schönes finden, dann kaufen wir‘s natürlich auch“, schmunzeln die Damen.

Ein bisschen schade sei‘s schon, „dass sich die Geschäfte nicht das ganze Jahr über so um ihre Kunden bemühen“, sagt Wolak. „Wann wird man schließlich schon mal am Eingang eines Geschäfts mit einem Glas Sekt begrüßt?“, lacht die Innsbruckerin. Männliche Shoppingfreunde sucht man – nicht nur in dieser Runde – vergeblich. „Die Männer sind beim Shoppen, glaube ich, eben nicht ganz so entspannt. Da bleiben die Frauen dann doch oft lieber unter sich“, sagt Wolak.

Auch Madeleine und ihre Freundinnen sind noch unterwegs. „Das müssen wir schon ausnützen, wenn alles so lange offen hat“, lachen die drei Mädls und nehmen zielgerichtet das nächste Geschäft ins Visier.

In der Maria-Theresien-Straße trotzen Hartnäckige weiterhin dem Regen und flanieren von Schirmen geschützt an den Schaufenstern vorbei. Auch die Männer auf Stelzen sind noch da. Und lächeln den strömenden Regen einfach weg.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 08.10.2011
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