18.10.2011
Innsbruck

Adler-Orden wurden flügge

Die Innsbrucker Kriminalpolizei hat einen heiklen Fall im Landhaus zu klären. Denn die Repräsentationsabteilung vermisst mehrere Adler-Orden. Auch Geschenke fehlen.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Wie konnten aus der Repräsentationsabteilung des Landhauses mehrere Adler-Orden in Gold verschwinden? Wer steckt dahinter?

Diese Fragen beschäftigen derzeit das Kriminalreferat des Innsbrucker Stadtpolizeikommandos. Die Antworten stehen noch aus, „wir sind mit den Ermittlungen erst am Anfang“, sagt ein Beamter. Fest steht nur, dass dem Stadtpolizeikommando eine Anzeige wegen des Verdachts des schweren Diebstahls vorliegt. Fest steht auch, dass der Fall offenbar als heikel angesehen wird: Entsprechend schweigsam gaben sich die Ermittler – Maulkorberlass.

Ähnlich zurückhaltend ist derzeit auch Herbert Gassler, Chef der besagten Repräsentationsabteilung: „Ich hab‘ keine Ahnung, was da passiert ist.“

Dass das Verschwinden der Orden jetzt aufflog, ist kein Zufall: „Die nächste Verleihung ist ja – wie jedes Jahr – für den 25. Oktober geplant. Im Zuge der Vorbereitungen für den Festakt haben wir das Fehlen der Orden festgestellt“, sagt der Protokollchef des Landes.

Wie eine erste Inventur ergab, sind insgesamt neun Adler-Orden auf rätselhafte Weise flügge geworden. Angeblich verschwanden nur die offiziellen Schmuckstücke des Landes, die leeren Schachteln blieben zurück.

Aber nicht nur die Adler-Orden fehlen. Offenbar werden auch Repräsentationsgeschenke vermisst, mit denen der Landeshauptmann bei Empfängen ausländische Würdenträger ehrt. „Dazu kann ich derzeit nichts sagen“, erklärt Gassler. Den Wert des Diebesgutes will der Chef der Repräsentationsabteilung nicht beziffern – „die Orden haben ja hauptsächlich ideelle Werte.“

Einer inoffiziellen Meldung zufolge beträgt der Schaden nahezu 20.000 Euro. Ein Wert, den Gassler nicht bestätigen wollte.

Auch Thomas Schönherr von der Presseabteilung des Landes ist skeptisch: „Ich glaub‘ nicht, dass der Schaden so hoch ist.“

Die Umstände des Diebstahls lassen vermuten, dass der Dieb die Verhältnisse im Landhaus sehr gut kennt. Ob ein Mitarbeiter des Amtes der Tiroler Landesregierung dahintersteckt, ist derzeit noch offen.

Der Adler-Orden ist vor allem für Nichttiroler vorgesehen. „Der Adler-Orden ist zur Ehrung von Persönlichkeiten bestimmt, deren Besuch oder Aufenthalt in Tirol oder deren hervorragende freundschaftliche Beziehungen zum Land Tirol von besonderer politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung für das Land Tirol sind“, heißt‘s in den entsprechenden Statuten des Landes. Die Goldversion des Adler-Ordens ist die mittlere Kategorie, nur der „Große Adler-Orden“ steht noch eine Stufe höher.

„Die Anzahl der verliehenen Adler-Orden ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich“, sagt Protokoll-Chef Gassler.

Im Vorjahr waren‘s vier Persönlichkeiten, die mit dem Adler in Gold geehrt wurden.

Ebenso viele Personen erhielten den Großen Adler-Orden, eine Würdenträgerin die Silberversion.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 18.10.2011
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