06.11.2011
Kufstein

Tonnenweise Beute

Frachtbetrug: So nennen Polizeiermittler die kriminelle Masche, bei der ganze Lkw-Ladungen wie von Zauberhand verschwinden.
Kupfer ist für die Frachtbetrüger eine begehrte Beute.Foto: Böhm
Foto: TT / Thomas Böhm

Von Thomas Hörmann

Kufstein – „Ein unbekannter Täter erschlich sich über eine Frachtbörse einen Auftrag zum Transport von ca. 21 Tonnen Stahl von Italien nach Deutschland. Die Lieferung wurde entgegengenommen, jedoch nie ausgeliefert.“

Hinter dieser lapidaren Polizeimeldung vom Donnerstag verbirgt sich inzwischen ein regelrechter Wirtschaftszweig. Frachtbetrug nennen Kriminalisten die Masche, bei der ganze Lkw-Ladungen verschwinden. Und vermutlich irgendwo in Osteuropa versickern.

„Die Methode ist recht ausgeklügelt“, schildert ein Polizeibeamter: „Meist geht‘s um Frachtaufträge, die von der so genannten Europäischen Frachtbörse an den Billigstbieter vergeben werden.“

Und hinter diesem Billigstbieter stecken immer öfter osteuropäische Organisationen. Scheinfirmen dieser kriminellen Vereinigungen nehmen die Aufträge an und schicken Lkw mit falschen Frachtpapieren und Kennzeichen zu den Kunden. Die Mafia-Frächter nehmen die Ladung an und verschwinden dann auf Nimmerwiedersehen. Die Opfer werden erst Stunden später auf den Betrug aufmerksam, wenn die Fracht nicht beim Empfänger ankommt. „Falls die Geschädigten nachforschen, müssen sie feststellen, dass es die beauftragte Frachtfirma gar nicht mehr gibt“, erzählt ein Ermittler: „Wir wissen inzwischen auch, dass die Täter mit regulär und legal angemeldeten Lkw zu den Firmen fahren, aber wenige Kilometer vor dem Ziel die falschen, aber in den ebenso falschen Frachtpapieren angeführten, Kennzeichen montieren.“ Am Rückweg werden die Kennzeichen dann nach wenigen Kilometern wieder getauscht.

Die Frachtbetrüger sind vor allem an Metallen interessiert. Die Schäden sind enorm. Eine Lkw-Ladung Kupfer hat den Wert von rund 70.000 Euro.

Auch in Tirol hat die Transportmafia schon mehrfach zugeschlagen. Allein die Montanwerke in Brixlegg waren im Vorjahr dreimal Opfer von Frachtbetrügern.

Das Landeskriminalamt ermittelte. „In einem Fall konnten wir sogar einen Fahrer ausforschen“, erzählt ein Beamter: „An die Hintermänner kamen wir leider nicht. Die dürfte der Fahrer selbst nicht gekannt haben.“

Auch das Bundeskriminalamt in Wien interessiert sich längst für den neuen Wirtschaftszweig der organisierten Kriminalität.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 06.11.2011
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