23.05.2012, 17:00  Aktualisiert: 24.05.2012, 17:34 
Erdbebenübung

Wenn in Tirol die Erde bebt

Hunderte Rettungskräfte, Polizisten und Soldaten waren bei der großen Erdbebenübung gefordert. Aufgabe war etwa der Aufbau einer Zeltstadt beim Krankenhaus Kufstein für die Versorgung von Verletzten. Und auch in Reutte wurde geübt.

Kufstein – Hollywood ließ in den vergangenen Tagen in den Bezirken Kufstein und Reutte grüßen. Da wie dort spielten sich Szenen wie in einem Katastrophenfilm ab: blutverschmierte und um Hilfe schreiende Menschen, eingestürzte Gebäude, eine gekappte Stromversorgung, hastig herumeilende Helfer, Hubschrauber, die mit Hilfsgütern unterwegs waren: Was im Kino den Namen „Das große Beben“ bekommen hätte, nannte sich in der Realität Terrex 2012 und ist eine Katastrophenübung. Das Szenario ist ein verheerendes Erdbeben, bei dem Menschen getötet und verletzt sowie viele Gebäude zerstört werden. An die 2000 Helfer waren in den beiden Bezirken im Einsatz, alleine 850 davon stellte das Bundesheer.

Das Zentrum der Koordination war die Bezirkshauptmannschaft Kufstein. „Für uns ist diese Übung eine äußerst wichtige Erfahrung. Wir lernen viel dazu“, zog Bezirkshauptmann Christian Bidner am Mittwoch eine erste Bilanz. Immerhin mussten hier nicht nur die zivilen Einsatzkräfte, sondern auch Polizei und das Bundesheer vernetzt werden, was laut Bidner „auch gut gelungen ist“. Auch wenn das Szenario ein Erdbeben war, gab es genauso Aufschlüsse für andere Katastrophenfälle.

Während in der BH die Laptops glühten, wuchs hinter dem Bezirkskrankenhaus eine Zeltstadt. Weil laut Übungsannahme auch das Krankenhaus einsturzgefährdet und überfüllt war. Rotes Kreuz, Samariterbund und das Bundesheer errichteten Zelte, in denen „Verletzte“ aufgenommen und versorgt wurden. In der Mitte stand der ärztliche KH-Direktor Primar Carl Miller, der die medizinische Leitung innehatte. „Auch für uns ist das eine interessante Aufgabe, besonders weil man merkt, an was man alles nicht denkt“, sagt Miller. Im Katastrophenfall könnte er rund 90 Prozent des Personals sofort aktivieren, vier Stunden länger, so schätzt Harald Bachmeier vom Roten Kreuz Kufstein, würde es dauern, bis seine Organisation die ersten Sanitätszelte stehen hätte. Wobei Bachmeier sich einen eigenen Fuhrpark und mehr Geld für die Katastrophenausrüstung des Roten Kreuzes wünscht. Rund 20 Stunden später wäre dann auch das Feldlazarett des Bundesheers komplett betriebsbereit, samt Operationsmöglichkeiten, Dekontaminierung und Trinkwasseraufbereitung. Wie realistisch die Übung geplant war, zeigt, dass sogar Notrufe bei der Leitstelle von Kufsteiner Bürgern eingingen, die geschminkte Statisten in den Straßen gesehen haben.

Während man sich auf der Rückseite des Krankenhauses um die Verletzten der Katastrophe kümmerte, kämpften Techniker der Tiwag mit dem Bundesheer in Kramsach um die Wiederherstellung der Stromversorgung. Besonders knifflig war dabei der Einsatz des Black-Hawk-Hubschraubers, der für Transporte gedacht ist, und in diesem Fall aber Strommasten im Gelände aufstellen musste. „Das Zusammenspiel hat aber gut funktioniert“, resümiert Tiwag-Übungsleiter Paul Falch.

Weiters wurde durch die Pioniere über den Kaisertalbach nach Ebbs eine Brücke errichtet, während Wasserrettung und Feuerwehr im Inn auf Vermisstensuche gingen. Die Übung wird heute mit einer Schulevakuierung fortgesetzt. (wo, mm)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 23.05.2012  17:00
aktualisiert: Do, 24.05.2012  17:34
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