Dem Computer davonwedeln
Von Brigitte Wacker
Reutte, Breitenwang – Die Gemeinden Reutte und Breitenwang investieren heuer 40 Euro pro Kind in die Schulskikurse der Volksschule Reutte. Mit dieser Initiative will man mehr Kinder für die Piste begeistern und Eltern die Finanzierung erleichtern. Auch ein gemeindeübergreifender Skitag ist geplant.
Die letzte Wintersportwoche der Volksschule in Reutte liegt schon so lange zurück, dass sich Klaus Walter, Obmann des Reuttener Skivereins, nicht mehr genau erinnern kann: „Sechzehn bis siebzehn Jahre muss das her sein“, schätzt er. Seine Diagnose, warum die Schulwoche auf den Bretteln ihren einst so hohen Stellenwert verloren hat, ist direkt: „Skifahren ist nicht mehr der Breitensport, der es früher einmal war. Viele Eltern können selbst nicht mehr Ski fahren und ohne ihre Vorbildwirkung ist auch das Interesse der Kinder dementsprechend gering. Bei vielen Familien scheitert es an den Kosten.“ Galt der Schulskikurs in den 80er-Jahren noch als Pflichtprogramm, schwinde das Interesse seit Jahren zunehmend. Darüber hinaus sei die Schülerzahl gesunken und auch der höher gewordene Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund trage zu dieser Entwicklung bei.
Carola Walter und Esther Sun, Initiatorinnen der Schulskiaktion, erzählen: „Unsere Kinder fahren gut Ski. Sie würden auch gerne mit anderen aus ihrer Klasse oder mal mit Freunden die Pisten unsicher machen. Aber das ist nicht möglich, wenn es keiner kann.“ So sei ihnen die Idee gekommen, Skikurse in der Volksschule Reutte wieder auf die Beine zu stellen. Auf der Basis einer Internetplattform namens „WISPOWO“, mit Unterstützung der Gemeinden Reutte und Breitenwang, den zwei örtlichen Skischulen, den Reuttener Seilbahnen und der Waldrast, sei es gelungen, ein Gesamtpaket zu schnüren und somit den Eltern einen kostengünstigen Rahmen zu schaffen, um ihren Kindern den Skikurs zu ermöglichen. „Die Aktion wurde von den Bürgermeistern Luis Oberer und Hanspeter Wagner offen aufgenommen. Sie stützen das Ganze großzügig mit 40 Euro pro Kind“, sagt Carola Walter. Die Eltern müssen lediglich 15 Euro für die gesamte Woche aufbringen. Auch der Shuttlebus werde von der Marktgemeinde Reutte getragen. Und wer keine Ausrüstung besitzt, kann um 40 Euro Skier, Stöcke und Helm für die ganze Woche ausleihen.
„Wir haben dann beschlossen, kein Abschlussrennen zu veranstalten, sondern gleich den Schülerskitag anzuhängen und ihn erstmalig als gemeindeübergreifenden Schulskitag von Reutte und Breitenwang auszurichten“, berichten die engagierten Mütter weiter. In den Semesterferien können sich nun die Skiasse (Jahrgang 2007–1995) mit ihresgleichen messen. Nebenbei wird am Renntag eine neuer Modus angeboten: die Schulklassen-Wertung. „Es entscheidet nicht die beste Zeit, sondern das Glück“, lacht Carola Walter. „Somit haben auch schwächere Läufer die Chance den Sieg zu holen.“ Ziel sei es, dass die Veranstaltung keine Eintagsfliege bleibe, sondern auch im kommenden Jahr wieder stattfinde. Denn wie heißt‘s so schön: „Skifahren ist das Leiwandste, was man sich nur vorstellen kann ...“



