64 Prozent der Einserhirsche im oberen Lechtal verseucht
Steeg – 666 Stück Rotwild wurden im oberen Lechtal zwischen Häselgehr und Steeg vom 1. Mai 2011 bis 4. Jänner 2012 geschossen. Alle erlegten Tiere wurden auf Tbc untersucht – das Ergebnis gibt wenig Anlass zur Freude. Im so genannten Bekämpfungsgebiet ist mehr als die Hälfte des Rotwilds mit einem Alter von über fünf Jahren nachweislich mit Tbc infiziert. Außerdem wurde die ansteckende Infektionskrankheit bei sieben von elf der über zehnjährigen Hirsche nachgewiesen. Je älter, desto mehr Tbc – könnte die Erkenntnis lauten. 64 Prozent der Topklasse Einserhirsche tragen die Krankheit in sich.
Für Tirols Landesveterinärdirektor Josef Kössler ist die hohe Infektionsrate beim Rotwild zwar nicht überraschend, aber dennoch aufschlussreich. „Die Untersuchungsergebnisse beweisen, dass an einer nachhaltigen Reduktion des Rotwildbestandes auf ein dem Lebensraum angepasstes Maß kein Weg vorbeiführt“, sagt Kössler. Ziel der Tbc-Bekämpfung ist es, die Gesundheit der Menschen, des Nutz- und Wildtierbestands und die Lebensmittelsicherheit weiter zu gewährleisten. Da jedes Stück Wild genauestens untersucht wird, kann Wildfleisch bedenkenlos genossen werden.
„Mit der bisherigen Reduktion um 666 Stück wurde von der Jägerschaft der Grundstein für eine erfolgreiche Bekämpfung der Infektionskrankheit gelegt“, bedankt sich Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf bei den Waidmännern.
Ziel sei es, in der laufenden Jagdsaison bis Ende März im Bekämpfungsgebiet auf 700 Stück erlegtes Rotwild zu kommen. Um die Bejagung zu erleichtern, wurde im Sommer 2011 ein 25 ha großes Lenkungsgatter errichtet. „Das Gatter bleibt weiterhin offen“, erklärt Kössler. Die Jägerschaft wurde ersucht, den Rotwildbestand weiter zu reduzieren. Erst, wenn die Jäger die Zahlen nicht erreichen sollten, wird eine gezielte Entnahme im Gatter erfolgen.
Trotz der bisherigen Leistung der Jägerschaft seien die Maßnahmen nicht abgeschlossen. Die Landesveterinärdirektion geht davon aus, dass die Bekämpfungszone auch in der kommenden Saison aufrechtbleibt. Dann könnte eine ähnlich hohe Stückzahl an erlegtem Rotwild eingefordert werden.
Besonders für die Landwirtschaft ist der Erfolg der Bekämpfungsmaßnahmen eine Existenzfrage. Aufgrund der Übertragung von Tbc vom Wild auf das Almvieh, was im Raum Steeg derzeit weltweit eine Einzigartigkeit darstellt, könnte nicht nur Tirol, sondern Österreich den Tbc-frei-Status verlieren. Das hätte massive Auswirkungen auf den Viehverkehr. (hm)



