Musik mit Kopf, Herz und Bauch
Von Brigitte Wacker
Reutte – „Bow, bow, Bedebebopbedebe ...“, ungewöhnliche Wortsilben tönten kürzlich aus dem Proberaum des Außerferner Klavier- und Jazzinstituts „Klazz“, denn zehn „g‘standene“ Mitglieder einer heimischen Jazzband versuchten im Singkreis ihren gemeinsamen Ton zu finden. Andreas Kopeinig, Leiter des „Klazz“ und der Band, hatte zum Improvisations-Jazzworkshop mit dem Münchner Harald Rüschenbaum geladen – ein Ereignis.
Harald Rüschenbaum, einer der führenden Jazzmusiker und Pädagogen in Deutschland, versprühte gleich zu Beginn derart viel Energie, dass jeder Anflug einer Erkältung oder schlechten Laune innerhalb der Truppe verflogen war. „Ich möchte den Ansatz in die Welt tragen, dass Wahrnehmung Veränderung mit sich bringt. Ich bringe den Teilnehmern bei, sich offen zu legen – schiebe den Vorhang zur Seite“, erklärte Rüschenbaum seine Philosophie. Jeder Mensch, der ein Instrument spiele, spüre im Innersten: Da ist mehr. Er wolle diesem Gefühl Raum geben und die Leute aus ihrem Schutzraum locken, damit sie ihren nächsten Schritt wagen. „Das Niveau ist dabei irrelevant. Auch die größten Musiker haben immer noch einen Schritt vor sich.“
In lockerer Atmosphäre und mit viel Spaß wurde ausprobiert und neue Anregungen wurden vermittelt. Die Musiker selbst sahen sich immer wieder mit neuen Ideen des quirligen Münchners konfrontiert und mussten sich einer Übung nach der anderen stellen. Dabei wurde hauptsächlich auf Spiele eingegangen, die vom Hören ausgehen und zum Zuhören verhelfen. „Der Ton kommt zu euch, nicht umgekehrt. Ihr müsst wissen, was der Ton von euch verlangt“, erläuterte der Workshopleiter, der seit Jahren auch das Landesjugendjazzorchester Bayern leitet. „Man merkt, dass die Musik aus deutlich mehr besteht als aus schwarzen Punkten beziehungsweise Noten. Die Hemmungen zu überwinden ist das Schwierigste“, resümierten die Außerferner Jazzer.








