29.03.2012, 18:32  Aktualisiert: 29.03.2012, 22:39 
mobile.business-Day

Einkaufen am Handy ist schon lange keine Zukunftsmusik mehr

Wer würde sein Smartphone einen Tag lang verleihen? Mit dieser Frage zeigte einer der Redner beim mobile.business-Day am Donnerstag in Igls die Bedeutung des mobilen (fast-)Alleskönners auf. Die Sparte Handel bekam dabei einen Einblick in die Zukunft des mobilen Shoppings.
Einen Blick in die Zukunft zeigte Thobias Zadow von PayPal.
Foto: Uwe Pfefferkorn

Igls – „Wer ein guter stationärer Händler ist, ist noch lange kein guter Onlinehändler“, ließ Martin Wetscher von der Sparte Handel der Tiroler Wirtschaftskammer, am Donnerstag im Congresspark Igls aufhorchen. 320 Interessierte drängten sich am auf die Plätze vor den Referenten zur Fachtagung zum mobilen Onlinehandel, mobile.business. Ein Thema, „mit dem sich jeder Unternehmer beschäftigen sollte“, wie Regina Stanger, Spartenobfrau für Information und Consulting, in ihren Eröffnungsworten festhielt.

2,5 Millionen Österreicher kaufen online ein, Tendenz stark steigen, wie auch die Deutsche Marktanalystin Susanne Fittkau, von Fittkau & Maaß, eindrucksvoll mit Zahlen belegen konnte. „Die Entwicklung am Mobilen Markt für Smarthones und Tablets steigt rasant. Und Österreich liegt dabei vor Deutschland aber hinter der Schweiz“, erklärt die Marktforscherin. Zwar spiele Mobile Commerce im Nutzungsalltag noch eine Nebenrolle. Die Kunden würden sich jedoch bereits jetzt vielfach mobil im Internet informieren und anschließend im stationären Internet kaufen. In Deutschland hätte bereits jeder Dritte, der online einkauft, auch mobil eingekauft. Allen voran, User, die Geräte von Apple verwenden.

Produkte, die bereits jetzt verstärkt online gekauft würden, seien dabei digitaler Natur, wie Programme oder digitalisierter Content, wie beispielsweise E-Books. Aber auch Produkte, die sich digitalisieren lassen, wie Bahn- oder Buskarten oder Konzerttickets, würden bereits jetzt oft online gekauft.

Die Motive, die Kunden zum Handyshoppen verleiten sind laut Susanne Fittkau vor allem die Bequemlichtkeit, ein anderes Gerät zu starten oder auch der Zeitaspekt. Das Handy ist schließlich immer griffbereit und online. „Ich glaube, dass mobile commerce funktioniert, weil es immer und überfall verfügbar ist“, sagt Fittkau. Mehr als jeder Dritte mobile Einkauf im Internet erfolge Daheim, wie die Statistik zeigt. Und dabei greifen Käufer zwar öfter über mobile Websites statt über zuvor heruntergeladene Apps auf die Internetshops zu. Zufriedener sind laut Umfragen aber jene, die via App einkaufen.

Aber nicht nur Deutschland ist der mobile Onlinehandel Thema: Beim mobile.business Tag in Igls stellten auch heimische Agenturen interessante Projekte vor. Julian von der Neyen & Andreas Mathis zeigten eine Applikation des Messesparks in Dornbirn, die als mobiles Element den stationären Handel im Einkaufszentrum unterstützten kann. Die App hat zum Ziel, das Service für Besucher zu steigern, neue Zielgruppen anzusprechen und für die Shoppartner des Einkaufszentrums einen neuen Zusatzkanal zu bieten. Über 6000 Mal wurde die App seit ihrem Start im Herbst bereits heruntergladen.

Maßgeschneiderte Lösungen für den Onlinehandel präsentierten auch Dieter Kartmann von der Firma Shopgate und Oliver Feldkircher von der Plattform 123 Boerse. Während Shopgate sich mobilen Websiten für Händler verschrieben hat und aktuell bereits 340 Kunden betreut, zeigt Feldkircher interessante Anwendungen mit Hilfe von sogenannten QR-Codes. Barcode-ähnlichen Symbolen, die Online-Käufern das Shopping-Leben massiv erleichtern können.

Matthias Schenk vom Unternehmen apprupt zeigte die Auswirkungen auf Kaufverhalten durch mobile Endgeräte auf. So würde die Zeit nach 20 Uhr, also nach den Nachrichtensendungen im Fernsehen, zunehmend für Einkäufe verwendet. Apprupt beschäftigt sich mit mobilen Werbeapplikationen. Auf seiner Plattform registriert Schenk in den Minuten nach den Nachrichten und vor dem Spielfilm bereits über 180 Millionen Zugriffe im Monat. Die Revolution der Nutzungssituationen zeige sich auch in der Parallelnutzung von Fernsehen und mobilem Internet. Vor allem über Tablet-Computer. Insgesamt könne sein Service bereits elf Millionen Smartphones erreichen.

Den ultimativen Blick in die Zukunft zeigte am Donnerstag dann aber einer der großen internationalen Player. Thobias Zadow vom Bezahlsystem-Unternehmen PayPal ließ in einem Video tiefe Einblicke in die Visionen des Unternehmens zu. Mit der Frage ans Publikum: „Wer würde sein Smartphone einen Tag lang verleihen“, zeigte er die Grundlage der künftigen Pläne des Ebay-Ablegers auf. Beim Smartphone handle es sich um ein Gerät, das jeder jederzeit bei sich trägt. Dieses zur unumstrittenen Bezahl-Maschine zu machen, sei das vorrangige Ziel. (upf)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 29.03.2012  18:32
aktualisiert: Do, 29.03.2012  22:39
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