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Nach Hundeattacke Forderung: Kurse müssen verpflichtend sein

Erst ein verpflichtender Kurs, dann die Erlaubnis zur Hundehaltung. Nach der Attacke auf eine Joggerin fordert der Tierschutzverein, dass das Land endlich Zeichen setzt.

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Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Hundeführerschein in Wien und Oberösterreich, eine Prüfung beim Tierarzt in der Steiermark, verschärfte Hundehalterbedingungen in Niederösterreich, in Salzburg ein Test für „gefährliche“ Hunderassen. Nachdem in Imst am vergangenen Samstag eine Joggerin von einem Pitbull und einem Stafford angefallen und im Gesicht und am Gesäß verletzt wurde, sind die Hundediskussionen wieder voll entfacht.

Auch wenn die zuständige LR Patrizia Zoller-Frischauf wegen des „zu hohen Verwaltungsaufwandes“ einen Hundeführerschein bisher kategorisch abgelehnt hat (die TT berichtete), fordert der Tierschutzverein für Tirol „einen verpflichtenden Kurs für alle, die einen Hund halten wollen“, so Obfrau Claudia Niedrist. „Es ist wichtig, dass die Halter die Grunderfordernisse – vom richtigen Fressen bis zur Welpenaufzucht – kennen. Zudem soll ein Hund die Grundkommandos beherrschen, egal welche Rasse und welche Größe“, ist Niedrist überzeugt. Dass das Land in Sachen Eignungsprüfung keinen Schritt nach vorn geht, versteht sie nicht: „Wir würden als Tierschutzverein unsere Dienste anbieten.“ Auch Tierschutzombudsmann Martin Janovsky spricht sich aus „fachlicher Sicht“ für einen „verpflichtenden Sachkundenachweis“ aus. Sehe man sich die anderen Bundesländer und Deutschland an, „zeigt sich aber, dass man nirgendwo den Stein der Weisen gefunden hat. Es gibt also kein fertiges gutes Konzept, das man aus der Schublade ziehen kann. Wollen wir Kurse einführen, wird das auch Geld kosten“, so Janovsky. Werden in Zukunft vielleicht doch Tirols Hundehalter in die „Schule“ geschickt, müssen zuerst einmal alle Hunde behördlich erfasst werden. Derzeit sind über 17.700 Hunde in der Heimtierdatenbank registriert, „aber das sind sicherlich noch nicht alle“, weiß Janovsky.

Schärfere Registrierungskontrollen wünscht sich Niedrist, die hofft, damit den illegalen Tierimporten ein Ende zu setzen. „Rund 70 Prozent unserer Hunde im Tierheim stammen derzeit aus dem Ausland. Sie kommen ursprünglich aus Zuchtfabriken oder von Tierschutzvereinen im Ausland, die mit dem Mitleid der Menschen leider zu oft nur Geschäfte machen.“ Auch Janovsky weiß von diesen illegalen Tierimporten, „die auch in Tirol in großem Stil stattfinden. Hunde werden auf Parkplätzen oder über das Internet verkauft.“ Niedrist bittet die Tiroler, vom Internetkauf Abstand zu nehmen: „Hat man ein Tier nicht in echt vor sich, weiß man nicht, welchen Charakter es hat, ob es zu einem passt. Meistens gehen die Dinge dann schief und die Hunde landen im Tierheim.“

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