Charmeur Omar Sharif wird 80 - Gealterter „Doktor Schiwago“
Kairo – Ein Bild von einem Mann - gut aussehend, exotisch und verführerisch. So sollte Omar Sharif als „Doktor Schiwago“ die Frauenherzen erobern und Filmgeschichte schreiben. Das war vor etwas mehr als vier Jahrzehnten. Doch dieser Mann mit dem Schnauzbart und den kohlrabenschwarz glühenden Augen hat vom britischen Gentleman bis zum indischen Maharadscha nahezu alle Rollen gespielt, die entweder eine bizarre, melancholische oder etwas verruchte Persönlichkeit auf die Leinwand bringen sollten.
Von Ausnahmen abgesehen ist es bereits in den 70er Jahren stiller um den großen Charmeur aus Ägypten geworden. Am heutigen Dienstag wird der einstige Frauenschwarm 80.
Debüt in „The Blazing Sun“
Als zu Affären neigender Schauspieler von Weltrang mit Hang zu einem aufwendigen Leben und den Spieltischen war Sharif auf seinem Zenit in den Schlagzeilen und gleichzeitig ein Publikumsliebling. 1932 mit einem reichen Holzhändler als Vater noch als Maechel Shaloub in Alexandria auf die Welt gekommen, wuchs er in Kairo auf und zeigte schon als Kind Interesse für das Kino und die darstellende Kunst.
Der junge Mann aus betuchtem Hause gründete eine Schauspielgruppe und feierte sein Filmdebüt 1953 in dem ägyptischen Film „The Blazing Sun“. Die prominente Hauptdarstellerin Faten Hamama sollte er, schon ganz in seiner Art des späteren Verführers, nur zwei Jahre später heiraten.
Durchbruch mit „Lawrence von Arabien“
Der internationale Durchbruch kam nach mehr als 20 Filmen in Ägypten mit seiner Nebenrolle als Scheich in David Leans „Lawrence von Arabien“ (1962). Sie brachte Sharif eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller und Vollbeschäftigung im Filmgeschäft. Im Jahr 1966 mit der hochgelobten Pasternak-Verfilmung „Doktor Schiwago“ ging die Ehe in die Brüche.
Der gemeinsame Sohn Tarek spielt in dem Film den Vater im Kindesalter. „Die Nacht der Generäle“ (1967) und „Funny Girl“ (1968) - mit der Jüdin Barbra Streisand an der Seite des zum Islam übergetretenen Sharif - sollten folgen. Doch in den 70er Jahren begann der Stern des Schauspielers zu sinken, der auch nicht immer ausgesprochen wählerisch war, wenn ihm Rollen angeboten wurden.
Schauspieler mit Spielleidenschaft
Seine Spielleidenschaft machte Sharif im Jahr 1973 zum Weltmeister im Bridge, sie soll ihn allerdings auch bis an den Rand des Ruins gebracht haben. Sharif hatte sein eigenes Bridge-Team ins Leben gerufen, das überaus erfolgreich war. Allein bis 1982 verlor er aber Millionen von Dollar beim Roulette.
Zu den Allüren des einstigen Hollywoodstars passt die zweijährige Bewährungsstrafe, die Sharif vor Jahren in Los Angeles nach einem handgreiflichen Streit mit einem Parkplatzwächter aufgebrummt bekam - sein Porsche stand nicht bereit, als er in weiblicher Begleitung nachts wegbrausen wollte.
Doch dann war da noch „Herr Ibrahim und die Blumen des Koran“ von 2003. In dem Film des Franzosen François Dupeyron läuft der gealterte Charmeur noch einmal zur schauspielerischen Hochform auf.
In Venedig hatte er zur Vorstellung dieses Films einen „Goldenen Löwen“ für sein Gesamtwerk verliehen bekommen. Seit der Scheidung ein Vagabundierer mit Wohnsitzen in den USA, England, Ägypten und Frankreich, fühlt er sich sonst nur in Kairo wohl, weil „unter Freunden“, wie er gestand. (dpa)
aktualisiert: Di, 10.04.2012 12:31



