08.08.2012, 14:33  Aktualisiert: 17.08.2012, 01:01 
Kino News

Spannung nach Drehbuch: Sportfilme mit Kultfaktor

Die Olympischen Spiele sind Geschichte. Aber wie kommt man als Sportfreak jetzt über den Sommer? Holen Sie sich doch Rocky, Eddie Felson, Daniel La Russo und Co. ins Wohnzimmer – die sind Gold wert.

1Rocky. Mein erster Sohn soll Rocky heißen. Mein zweiter Rocky II. Sie halten mich für verrückt? Dann haben Sie kein Herz für Helden. Sylvester Stallone hatte eines und erschuf 1976 mit Rocky Balboa einen Kino-Heroen, der seinesgleichen sucht. Der „Italian Stallion“ kämpfte sich vom naiven Geldeintreiber aus Philadelphia zum Boxweltmeister hoch – und knockte dabei Gegner wie Apollo Creed, Clubber Lang und Ivan Drago aus. Sechs Mal schickte Stallone seinen rohe Eier trinkenden und Schweinehälften prügelnden Helden in den Ring, wobei Teil fünf von wahren Rocky-Fans ignoriert wird. Dafür kann sich das 2006 erschienene Finale mit dem gealterten Stallone sehen lassen. Lieblings-Rocky hab‘ ich keinen. Wobei: Das Finale von „Rocky II“ ist schon ganz großes Kino. ADRIAN, ich hab‘s geschafft! (fach)

2Die Stunde des Siegers. Wenn sich Sprinter, egal ob anno dazumal Carl Lewis oder gerade eben Usain Bolt, über die Ziellinie drücken, gehört, spätestens bei der ersten Wiederholung in Zeitlupe, Vangelis‘ oscargekröntes Musikstück „Chariots of Fire“ dazu. Geschrieben hat der griechische Komponist das Elektro-Evergreen 1981 für den gleichnamigen Film von Hugh Hudson. Der erzählt von zwei Sprintern, die in den 1920er-Jahren von olympischem Gold träumen und gegen die Vorurteile einer in Standesdünkeln erstarrten Gesellschaft von Snobs anlaufen. Vorzeige-Olympioniken dürfte die Aussage des Films, dass Siegen eben doch alles ist, zwar bis ins Mark erschüttern, aber – mal ganz ehrlich – kann sich jemand wirklich an einen Viertplatzierten erinnern? Nein? Keine weiteren Fragen. (jole)

3Die Farbe des Geldes. „Gewonnenes Geld ist zweimal so süß wie verdientes“, heißt es in Martin Scorseses wunderbarer Fortsetzung des mindestens genauso wunderbaren Billard-Klassikers „Die Haie der Großstadt“ (1960). Paul Newman spielt den abgehalfterten Schnapsverkäufer Eddie Felson, der vor Jahren ein Champion war und es noch einmal wissen will. Tom Cruise mit steiler Stehfrisur seinen selbstverliebten Widersacher. Die wahren Hauptdarsteller sind allerdings ein mit grünem Filz bezogener Tisch, neun durchnummerierte Kugeln aus Phenolharz und eine Queuespitze blaue Kreide. Wer sich nach diesem Film nicht binnen weniger Minuten nach der nächsten Billard-Halle erkundigt, dürfte etwas nicht verstanden haben. (jole)

4An jedem verdammten Sonntag. Amerikas Verschwörungstheoretiker Nummer eins Oliver Stone blickt hinter die Kulissen des Profi-Footballs und fördert Bedenkliches zu Tage. LL Cool Jay hat einen Millionenvertrag, Cameron Diaz spricht Ergebnisse ab und Mannschaftsarzt James Woods spritzt dem derangierten Quarterback Dennis Quaid die seltsamsten Substanzen in den Oberarm. Im Zentrum des Trubels steht allerdings Trainer Al Pacino. Der wurde vor Jahren zur Legende und schaut jetzt, weil er nichts mehr auf die Reihe bringt, ziemlich tief ins Glas und würde am liebsten Gott und die Welt zum Teufel schicken. Dazwischen wird gelegentlich Football gespielt.

Die Offiziellen der Amerikanischen Football-Liga (NFL) verweigerten dieser schonungslosen Schilderung der Schattenseiten des Profisports übrigens ihre Unterstützung. Was den Veracht nahelegt, dass Mister Stone einen wunden Punkt getroffen hat. (jole)

5Karate Kid. Auftragen. Polieren. Und ja immer brav die Jacke aufhängen – dann klappt‘s auch mit der Karate-Karriere. Wer es wagt, die Trainingsmethoden von Mister Miyagi und Mister Han anzuzweifeln, der soll doch zum Dojo des bösen Cobra Kai wechseln oder beim hinterlistigen Master Li in die Lehre gehen. Aber Achtung – diese Herren kämpfen gern mit unlauteren Mitteln. Womit wir beim simplen Erfolgsrezept von „Karate Kid“ wären – jener Geschichte, die Ralph Macchio 1984 zum Jugendidol machen sollte und 2010 Jaden Smith, den Sohn des berühmten Will, ins Rampenlicht rückte. Ein integrer Außenseiter lernt mithilfe eines grundguten Trainers – im Remake von Jackie Chan verkörpert – die Geheimnisse des Karatesports und kann sich dann gegen die bösen Brutalos durchsetzen, die ihm davor das Leben schwermachten. Zur Draufgabe gibt‘s pathetische Songs und eine Anleitung zum Fliegenfangen. Kult! (fach)

6Bodycheck. Derek Youngblood (Rob Lowe) will Eishockey-Profi werden und die väterliche Farm hinter sich lassen. Sein Bruder Kelly hatte einst denselben Traum – doch eine Augenverletzung machte seine Karriere zunichte. Auch Derek scheint sich anfänglich nicht auf dem Eis durchsetzen zu können – zu cool, zu hart sind seine Kollegen von den „Mustangs“ (Patrick Swayze und Keanu Reeves flitzen als Jungspunde dem Puck nach). Und dann verliebt sich der Schönling auch noch in die Tochter des hantigen Trainers! Das kann ja nicht gut ausgehen. Tut‘s dann aber doch.

Eishockey-Fans halten „Bodycheck“ trotzdem für nichts weiter als einen Mädchenfilm – und jubeln, wenn Rob Lowe eine auf die Zwölf bekommt. Gemeinheit! (fach)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 08.08.2012  14:33
aktualisiert: Fr, 17.08.2012  01:01
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